Radiobeitrag Westdeutscher Rundfunk, WDR

Kulturelles Wort

Redaktion: Peter Faecke

Erschienen
16.06.1966, 21:30 Uhr

Sender
Westdeutscher Rundfunk

Sendung
Literarisches Studio

Dauer
30 min

Erscheinungsort
Köln, Deutschland

Bergpredigt

Anleitung zum Glücklichsein von Bazon Brock

Text

Aus dem Informationsblatt zur Sendung:

„Im Erschrecken am Es von 1960 habe ich geschrieben, ich sei hauptamtlich als Beweger zu bezeichnen, als Gelegenheitsmacher und einer der ersten Dichter ohne Literatur.
Die Betonung liegt also auf den sozialen Handlungsweisen; die Form der gesellschaftlichen Aktion ist gemeint und weniger deren Resultate.
Ich bin selber überrascht, mit welcher Eindeutigkeit und mit welcher Direktheit ich von Anfang an (und ich habe immerhin eine schon zehnjährige ästhetische Praxis) mich auf die Seite der Rezeption geschlagen habe, auf das Moment des Verstehens, Betrachten, Aneignens.
Die vergangenen 50 Jahre waren in der Geschichte der Kunstpraxis bestimmt durch die Veränderungen auf der Seite der Produzierenden.
Vor einiger Zeit begann die Rezeption eine gewisse Rolle für die Produktion von Kunst zu spielen: beim happening wurde der Besucher als Mitmacher notwendig, sollte das Ereignis überhaupt stattfinden – die Kinetik verlangt einen sich bewegenden Betrachter, wenn die ästhetische Sensibilisierung gelingen soll, usw.
Ich bin auf Grund meiner Arbeit überzeugt, daß der größte Teil der Veränderung in der Entwicklung der Kunst in den nächsten 50 Jahren von der Seite der Betrachter oder Besucher oder Rezeption ausgehen wird.
Die ästhetische Praxis wird Vermittlung von Verhaltensweisen zur Bewältigung der gesellschaftlichen Praxis. Gesellschaftliche und ästhetische Praxis werden sich einander angleichen. Die ästhetische Praxis wird in den materiellen gesellschaftlichen Prozeß zurückgenommen – die gesellschaftliche Praxis stößt in die ästhetische vor. Bereits heute bleibt einem großen Teil der Künstler nur noch (oder schon) die Industrie als Basis der Produktion. Und ein weiterer Teil der Künstler treibt die Entmaterialisierung der Kunst beachtlich voran: sie produzieren nur noch Ideenkunst, oder Anlässe oder Möglichkeiten von etwas, das schon nicht mehr materialisiert zu werden braucht, weil es ohnehin sofort zur Aufhebung gezwungen wäre. Auf diesem Gebiet die weitgehendsten Arbeiten geleistet zu haben, rechne ich mir als höchstes Verdienst an.
Von der Einsicht in diese Entwicklungstendenz werden alle meine Arbeiten bestimmt: sie dienen der Entfaltung der Seite der Rezeption im ästhetischen Prozeß.
So entsteht der Eindruck permanenter Belehrung, den meine Aktionen machen. Diese Aktionen sind samt und sonders schulisch. Daher die Formen der Rezeptionserweiterung, wie sie die Besucherschule, die Bürgerschule, die Konsumentenschule darstellen. Das allerdings sind nicht Schulen, in denen man lernt, was objektiv vorgegeben ist, sondern wie man sich aus den objektiven Zwängen des Vorgegebenen befreit. Ich hoffe auch, durchsetzen zu können, daß an den Kunsthochschulen endlich Klassen für Rezeption ästhetischer Prozesse eingerichtet werden, in welchen man als Betrachter und Teilnehmer genauso ausführliche Unterweisung erhält, wie sie den Kunstproduzenten immer schon gewährt wird.“

Textverwandtschaften

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Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.