Buch BESUCHERSCHULE d 7
Die Hässlichkeit des Schönen - Spaziergänge Tempelgänge Paradegänge
Die Hässlichkeit des Schönen - Spaziergänge Tempelgänge Paradegänge
Abschnitt, beginnend auf Seite 29 im Original
Unter Fabros schimmerndem Baldachin des Portikus memorieren wir Lawrence Weiners Inschrift am Architrav: "Viele farbige Dinge nebeneinander angeordnet, bilden eine Reihe vieler farbiger Dinge." Die Besucher stehen nebeneinander, bilden aber keine Reihe. Das Nebeneinander ist eine Beziehung, die in simultaner Wahrnehmung erfaßt wird. Die Reihe ist eine Ordnung, die in gleichmäßig nacheinander vollzogenen Wahrnehmungen jener Beziehungen des Nebeneinander zielausgerichtet, von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende, nachvollzogen wird. Jetzt bilden wir eine Reihe, da wir nacheinander einzeln durch die schmale Einlaßtür gehen, um unsere Wanderung durchs Fridericianum zu beginnen. Nacheinander werden wir die Räume durchschreiten und die ausgestellten Werke als eine geordnete Reihe vieler farbiger Dinge wahrzunehmen versuchen. Nebeneinander werden wir die vielen ausgestellten Werke nur in unserer Vorstellung sehen können.
Übrigens empfiehlt es sich immer, Ausstellungen zunächst in mehrfachem, mehr oder weniger schnellem Durchgang ohne Blick für die Einzelheiten zu durchlaufen. Das schützt vor klinischer Müdigkeit, die Museumsbesucher regelmäßig überfällt, wenn sie zwei Stunden im rentnerhaften Schneckentempo sich an den Werken entlangtasten, ohne abschätzen zu können, wohin sie gelenkt werden. Außerdem trainieren uns die mehrfachen schnellen Durchläufe, die vielen farbigen Dinge nebeneinander simultan wahrzunehmen. Aus dieser Wahrnehmung erspüren wir so etwas wie das Klima der Ausstellung und erfassen hoffentlich den Gesamteindruck als Hinweis auf übergeordnete Gesichtspunkte, nach denen die Ausstellung eingerichtet wurde.
Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.
Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.
Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:
Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.
Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.
Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.
Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.