Buch Die Mauer fiel, die Mauer steht.

Ein deutsches Lesebuch 1989-1999. München 1999.

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Erschienen
1997

Herausgeber
Glaser, Hermann

Verlag
Deutscher Taschenbuch Verlag

Erscheinungsort
München, Deutschland

ISBN
3423307218

Umfang
271 Seiten

Einband
broschiert

Nutznießer des Regimes.

Text

Neben den SED-Funktionären gehörten die Künstler zu den Nutznießern des Regimes. Ihre Verbände wurden von der SED großzügig alimentiert. Günther de Bruyn schrieb in der ZEIT vom 15.3.1990: "Man kam aus kleinen Verhältnissen und wuchs ins Privilegiertendasein hinein. Der herrschenden Ideologie widersprach das durchaus nicht. Die besagte, daß derjenige, welcher für den Staat und die Partei am meisten tat, es auch am besten haben sollte. Viele haben davon profitiert, es wurde offen gesagt. Es ging nicht um Gerechtigkeit, Mitleid, Barmherzigkeit ..., die führenden Leute waren natürlich überzeugt, sie hätten sich am meisten verdient gemacht, also nahmen sie sich das Recht, besser zu leben." Und wie allseits gesagt: Die Künstler lebten in der DDR besser als jede andere Berufsgruppe mit Ausnahme der Politbonzen. Wie bitte? Hörten wir nicht immer wieder vom heroischen Kampf der DDR-Künstler gegen Bevormundung, Zensur und Exilierung? Offenbar war das alles Mache, so meinen jedenfalls jetzt, sechs Monate nach dem Umsturz, DDR-Schreiber, deren Rang dem unserer ZEIT-Redakteure gleichkommt. "Auf Themen, die Autoren (Künstler der DDR) zur Sprache brachten, reagierten Politiker (der DDR) manchmal mit Verboten und Ausweisungen, meist mit Widerspruch. Das machte die Bücher (und Kunstwerke) populär und ihre Verfasser zu einer moralischen und politischen Instanz." (Karin Hirdina).
Da haben wir es also: Selbst die Dissidenten waren noch Nutznießer des Regimes; mehr noch, "diese Herrschaften sind Ausreiser, Ausreiser mit Sack und Pack, bei hellichtem Tage, mit schönen Papieren, auf ihre eigene Veranlassung und oft mit freundlicher Verabschiedung... Flüchtlinge sind allein wir. Nur wir, niemand sonst, nur wir Antifaschisten", reklamierte der bestens DDR-versorgte Stephan Hermlin, der in der Gnade früher Geburt steht und deshalb wissen müßte, wie fatal seine Selbststilisierung zum inneren Emigranten respektive Flüchtling derjenigen gleicht, die nach 1945 die Nutznießer des NS-Regimes vorbrachten. Und da liegt der Skandal, vor dem wir uns alle fürchten, wenn jetzt Künstler, Intellektuelle, Literaten, Wissenschaftler der DDR und BRD auf einem Markt zusammen leben müssen.
Daß sie Nutznießer waren, kleine Opportunisten, feige Hofschranzen, konnte und kann man den NS- und den SED-Kulturschaffenden nicht vorwerfen und gegen sie aufrechnen; aber daß sie ihren Eiertanz nach Ende des Regimes fortführten und fortführen und sich zu den eigentlichen Opfern des geschichtlichen Prozesses hochstilisieren, das war 1945 unerträglich, und das ist heute noch widerwärtiger.

siehe auch:

Textverwandtschaften

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Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.