Buch Lustmarsch durchs Theoriegelände

– Musealisiert Euch!

Lustmarsch durchs Theoriegelände, Bild: Buchumschlag. Gestaltung: Gertrud Nolte.. + 4 Bilder
Lustmarsch durchs Theoriegelände; Bild: Buchumschlag. Gestaltung: Gertrud Nolte.

Gestaltung: botschaft prof. gertrud nolte

Das Buch ist mit einem Plakat-Umschlag in den Maßen 58 cm x 79 cm eingeschlagen.

Erschienen
10.10.2008

Autor
Brock, Bazon

Verlag
DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

Erscheinungsort
Köln, Deutschland

ISBN
978383219024-8

Umfang
434

siehe auch:

Abschnitt, beginnend auf Seite 36 im Original — direkt zum Text

Einleitung - 1 Eröffnungsspiel: Preußische Partie

Text

„Man hat überhaupt nötig, an sich erinnert zu werden, insofern als wir das unsere durchaus nicht immer gegenwärtig beisammen haben […] nur in Augenblicken seltener Klarheit, der Sammlung und des Überblicks wissen wir wahrhaft von uns.“ (Thomas Mann)

Der viel zitierte Mathematiker, Omnibus-Erfinder und Religionsphilosoph Blaise Pascal kannte offensichtlich ein Glücksrezept, wenigstens aber eine Empfehlung für die Vermeidung des Unglücks. Pascal meinte, alles Elend der Menschen rühre daher, daß sie es nicht in ihren Zimmern aushielten und ständig irgendwohin weglaufen wollten. Meinte er jedes Zimmer, von der Mönchseremitage über die Gefängniszelle bis zu den im Kochdunst eingenebelten Kleinbürgerbehausungen, wie sie uns Heinrich Zille und Gerhard Hauptmann vor Augen hielten? Konnte Pascal sich Köln-Chorweiler, Berlin-Gropiusstadt und Hamburg-Steilshoop vorstellen?” (4) Alle Weisheit der Welt reicht nicht hin, um den Wunsch zu löschen, aus diesen Folterkammern der Leiber und Seelen zu entkommen. Wie also sollte ein Zimmer aussehen, in welchem man der Pascal'schen Empfehlung gerne folgen würde?

Seit hundert Jahren gibt es unzählige Anleitungen von Künstlern, Innenarchitekten, Designern, Lebensreformern, Karriereberatern und Promotern, die Wohnung zu einem Bild der eigenen Welt werden zu lassen: Denn schließlich leben Menschen nicht in Ziegelsteinhaufen, sondern in Vorstellungsräumen und Erinnerungslandschaften. Ich habe mich selbst als Experimentator im Felde des Designs, also der Ästhetik in der Alltagswelt, ins Zeug gelegt. (5) Warum Design? Die Antwort, die die Besucher unseres Pascal'schen Zimmers getrost nach Hause nehmen können, lautet: Mit der Entwicklung des Designs, also einer spezifischen Form angewandter Künste im Zeitalter industrieller Massengüterproduktion, wurde zum ersten Mal einem menschheitsgeschichtlich einmaligen Fortschritt entsprochen, nämlich der Einsicht, daß nur die Mittel die Zwecke heiligen und nicht umgekehrt. Die hohen und höchsten Handlungszwecke lassen jedes Mittel zu ihrer Realisierung akzeptabel erscheinen. Die Designer nahmen sich vor, zunächst die Mittel unserer Lebensbewältigung zu optimieren, anstatt, wie es etwa Künstler der Moderne taten, dem Zweck der Selbstverwirklichung als schöpferische Genies rücksichtslos alles zu opfern.

Anmerkungen
(4) Brock, Bazon: „Krieg den Hütten, Friede den Palästen – Bitte um glückliche Bomben auf die deutsche Pissoir-Landschaft (1963).“ In: ders., Ästhetik als Vermittlung. Arbeitsbiographie eines Generalisten. Hg. v. Karla Fohrbeck, Köln 1977, S. 821.
(5) Brock, Bazon: „Das Leben im Schaufenster.“ In: Mode – das inszenierte Leben. Kleidung und Wohnung. Hg. v. Internationalen Design-Zentrum e. V., Berlin 1972, S. 61 ff., vgl. ders. „Mode – ein Lernenvironment zum Problem der Lebensinszenierung und Lebensorganisation. Dazu ein Vorschlag zur Anwendung der Aussagen im Sozio-Design.“ In: ebd., S. 11 f., vgl. den Film „Ästhetik in der Alltagswelt“, SFB 1972

Medien

Aktion im Bild: Wir geben das Leben dem Kosmos zurück. Medien der bildenden Wissenschaften, Bild: Lustmarsch, S. 36 © QART, Stefanie Hierholzer und Ulrich Klaus.

siehe auch:

Textverwandtschaften

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Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.