Magazin Der SPIEGEL 45/1999

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Der SPIEGEL, 45/1999

Erschienen
08.11.1999

Verlag
Axel Springer

Erscheinungsort
Hamburg, Deutschland

Ausgabe
45/1999

Graffiti sind Menetekel

Text

In einigen hundert Jahren wird sich wohl kaum jemand mehr für den Typus von Graffiti interessieren, den wir heute in unseren Stadtbildern beobachten. Man wird darin keine kultischen Zeichen mehr sehen und erst recht keine heiligen Orte damit bestimmen wollen (wie in Teilen Asiens üblich), denn das würde bedeuten, daß wir unsere Hotdog-Stände als Tempel ausweisen oder ähnliche Örtlichkeiten zu kultischer Bestimmung erheben, also zu etwas, was sie ganz und gar nicht sind.

Wir können es uns im Hinblick auf die heutigen Probleme relativ einfach machen. Ich gehe bei unserer Fragestellung nicht von einer analytischen Durchdringung dieser Zeichen aus, als hätten wir durch Studien herausgefunden, was denn junge Leute dabei denken, wenn sie sprayend durch die Straßen laufen und S- bzw. U-Bahnen mit ihren Zeichen versehen.

Ich sehe dieses Phänomen umgekehrt als etwas an, von dem jeder zu wissen glaubt, was es bedeutet, und bemühe mich, diese Vorurteile wieder loszuwerden. Das heißt, ich versuche, in dieser Sache überhaupt etwas Bedeutsames zu sehen, sie erst einmal als einen problematischen Sachverhalt zu verstehen und zwar im Zusammenhang der Fragestellung von Mythos und Moderne.

siehe auch:

Textverwandtschaften

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Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.