Hominisierung statt Humanisierung
Text
Eine gewisse begründete Hoffnung liegt darin, daß die verschiedensten Kultur- und Naturwissenschaften mit einem Arbeitsprogramm Kulturgenetik uns allen langsam zu zeigen vermögen, welchen Logiken wir folgen. Denn was wir uns als kulturelle Leistung zuschreiben, ist nichts anderes als die Logik unserer sozialen Natur. Was wir im besten Sinne und beim besten Willen bisher als humanistische Überwindung der Naturlogik – also unserer tierischen Natur – verstehen möchten, haben wir in den bisherigen Kulturen nicht einmal andeutungsweise erreicht. Bevor wir uns jedoch wieder gut gemeinten, aber bisher haltlosen Humanisierungskonzepten zuwenden, sollten wir uns dazu überwinden, uns zu hominisieren, d. h. zu erkennen, daß wir ein evolutionäres Produkt der Natur sind und das unter Bedingungen, die wir nicht uns selber verdanken und die wir nicht durch eigene Setzungen aufgeben können.
Hominisierung statt Humanisierung, das heißt anzuer kennen, daß sich z. B. unsere Kulturkämpfe in nichts von den Auseinandersetzungen tierischer Lebensgemeinschaften unterscheiden. In diesem Sinne müßten wir anzuerkennen lernen, daß auch Tiere eine Natur des Sozialen, also eine Kultur haben. Hominisierung statt Humanisierung heißt, endlich zur Kenntnis zu nehmen, was uns seit den großen Aufklärern des 18. Jahrhunderts schon zu erkennen möglich ist, aber im 19. Jahrhunderts mit der Durchsetzung der homogenen Kulturnation und ihres politischen Ausdrucks wieder verloren ging. Und das heißt zu erkennen, wie ungeheuer gering der Grad unserer Freiheit genetisch und funktionslogisch ist.
Zivilisierung basiert auf der Hoffnung, daß wir zu akzeptieren lernen, auch nur Menschen wie alle anderen Menschen zu sein.
Jetzt gilt es, die Anerkennung unseres Selbst als Produkt der Naturevolution anzuerkennen. Hoffen wir, daß wir zu dieser realistischen Einschätzung nicht erst kommen, wenn im Namen höchster kultureller Werte die Natur der Menschen im Tode vernichtet ist.
Textverwandtschaften
Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.
Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.
Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:
- Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
- Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
- Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
- Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück
Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.
Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.
Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.
Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.