Buch Das Geheimnis des Geschmacks

Aspekte der Ess- und Lebenskunst

Das Geheimnis des Geschmacks, Bild: Umschlag.
Das Geheimnis des Geschmacks; Bild: Umschlag

Die Essays dieses typografisch anspruchsvoll gestalteten Bandes gehen der Bedeutung des Geschmaks vom Mittelalter bis zur Gegenwart nach. In den Texten geht es aber auch um die sinnliche Grundaustattung des Homo sapines, um das Essen als erlaubte Lust, um das Verhältnis von Gesundheit und Genuss, die unterschiedlichen Essgewohnheiten der beiden Geschlechter, um Geschmackserziehung und Geschmackskultur, um guten und schlechten Geschmack in der ästhetischen Praxis.

Das Spektrum der Autorinnen und Autoren reicht vom Äshtetik-Professor über Kulturhistoriker, Volkskundler, Psychologen, Soziologen, Kunstkritiker, Literaturwissenschaftler bis zum kulinarischen Journalisten.

Erschienen
2004

Autor
Brock, Bazon | Sichtermann, Barbara | Teuteberg, Hans J.

Herausgeber
Hauer, Thomas

Verlag
Anabas

Erscheinungsort
Frankfurt am Main, Deutschland

ISBN
3-87038-366-6

Umfang
240 Seiten, 50 s/w Illustrationen, 235mm × 145mm

Einband
Gebunden, ca. EUR 24,80, ca. sfr 43,50

Hunger: Appetit und Nahrungssuche

Text

Es ist hilfreich, sich für die Überlegungen zu unserem Thema "Geschmack" eine grobe Übersicht über die verschiedenen Steuerungsfunktionen unseres Gehirns zu machen. Das Herausbilden der Lebensfunktionen, Steuerung, Körpertemperatur, Atmung, Zellen, Stoffwechsel usw. geschieht auf der Ebene des Stammhirns. Im Zwischenhirn wird über ein Regulativ - das limbische Zentrum - gesteuert, ob ich lustvoll mit der Zuführung von Stoffen aus der Außenwelt im Sinne der Bekömmlichkeit fortfahre oder aber damit aufhöre, weil mich, z.B. wegen der eben noch lustvoll genossenen Stoffe, jetzt Ekel oder Abneigung überfallen. Signale des Zwischenhirns bewirken, dass nach einer bestimmten Zeit die lustvolle Aneignung in Abneigung umschlägt. In harmlosen Fällen nehme ich ein Sättigungsgefühl wahr, und das veranlasst mich dazu, nicht weiter mit der Zufuhr dieser Stoffe fortzufahren. Im Zwischenhirn wird also der Geschmack kontrolliert im Hinblick auf die Fähigkeit, das, was einem lustvoll und bekömmlich erscheint, tatsächlich auch zu erreichen. Jeder kennt das Appetenzverhalten, womit die Wahrnehmung eines noch nicht sehr klar bestimmbaren Bedürfnisses gemeint ist. Man geht unruhig hin und her, das kennt man im Zusammenhang mit dem berühmten Kühlschrankphänomen. Man weiß noch nicht so richtig, was man will, man sieht sich um, man schnüffelt, man prüft - und dann schließlich der Griff. Das Appetenzverhalten ist dieses zunächst noch unbestimmte Suchverhalten. Beim prüfenden Suchen stößt man auf den optischen Appell eines gestalteten Verpackungsmusters, z.B. von der Firma Ritter Sport. Daraus kann sich das Gefühl ergeben, das, was einem schmeckt, gefunden zu haben. Nachdem ich das Schokolade-Essen ein paar Minuten genossen habe, stellt mich das limbische System vor ein Problem, indem es signalisiert: "Jetzt hast du genug! Es geht jetzt nicht mehr." Vielleicht kann man fünf, sechs, sieben, vielleicht bis zu zehn solcher Täfelchen essen, aber irgendwann, bei der elften oder zwölften, fängt man garantiert an, sich zu übergeben, und lässt es bleiben. Vielleicht wird mein Suchverhalten durch die Erinnerung an dieses Ekelgefühl in der Zukunft mitgesteuert. Dann wird man dieses Erlebnis nur noch selten oder für eine längere Zeit gar nicht mehr haben.

Textverwandtschaften

1957 1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026

Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.