Buch Kunst und Demokratie

brockimport 0131-orig.jpg, Bild: brockimport ID_Object 131.
brockimport 0131-orig.jpg; Bild: brockimport ID_Object 131

„Kunst und Demokratie – dieser Kontext scheint auf den ersten Blick kein Thema zu sein. Der Rechtsstaat, ohne den Demokratie nicht denkbar ist, schützt die Freiheit von Kunst und Wissenschaft. Kunst und Diktatur ist hingegen als Thema oft abgehandelt und in Ausstellungen präsentiert worden – als Außenansicht, aus der Sicht von uns Demokraten. Das hier gestellte Thema bedeutet Innenansicht jener Situation, in der wir leben. Was aber ist Demokratie - und wie selbstverständlich können wir sie für uns reklamieren?“ (Aus dem Vorwort von Irmgard Bohunovsky-Bärnthaler)

Aus dem Inhalt: Angepasste Empörung - Über avantgardistische Kunst und politische Verantwortung in demokratischen Gesellschaften von Konrad Paul Liessmann, Die Demokratie der Künste von Gunter Damisch, Demokratie als Sache der Vielen, Kunst als Sache der Wenigen von Anton Pelinka, Gibt es eine politisch korrekte Kunst? von Thomas Zaunschirm, Menschenschwärze – Versuch über die Verachtung der Massen von Peter Sloterdijk, Das Sehen formen: Mondrians Lebens-Kunst-Utopie von Raimer Jochims, Zurückbiegen (Reflexion) und Umwerfen (Subversion) … von Elisabeth von Samsonow, Kunst und Krieg - Der verbotene Ernstfall von Bazon Brock.

Erschienen
1998

Herausgeber
Bohunovsky-Bärnthaler, Irmgard

Verlag
Ritter

Erscheinungsort
Klagenfurt, Deutschland

ISBN
3-85415-263-9

Umfang
192 Seiten

Einband
Taschenbuch

Willst du Frieden, bereite dich auf den Krieg vor

Text

Das Erklären und Führen von Kriegen ist seit der Staatstheorie von Jean Bodin das unveräußerliche Souveränitätsrecht jeder Gesellschaft und ihrer staatlichen Repräsentanz. Verallgemeinernd heißt das: Kulturen eichen das Verhalten ihrer Mitglieder an deren Bereitschaft und Fähigkeit, als Soldat oder Hilfsdienstleistender der entscheidenden Durchsetzung von Souveränität in der Führung von Kriegen zur Verfügung zu stehen - daraus leitete sich noch die Einführung der Wehrpflicht in den Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts ab.

Schon im 16. Jahrhundert gab es Versuche, andere Strategien der Durchsetzung von Souveränität als die Kriegsführung und die Drohung mit dem existenziellen Ernstfall für jedes Individuum zu bevorzugen. Die Habsburger in Österreich proklamierten "Bella gerant alii, tu felix Austria, nube - Andere mögen ihre Streitigkeiten durch das Führen von Kriegen ausfechten, wir Österreicher erledigen das durch Heiratspolitik".
Man wollte die Risiken, die mit der Durchsetzung der Ernstfalleichung für die eigene Bevölkerung verbunden sind, umgehen und dennoch zum Erfolg kommen.

Wenn sich, des Risikos wegen, die Eichung der Behauptungsfähigkeit einer Kultur am existenziellen und kriegerischen Ernstfall verbietet - wie läßt sich dann die unumgängliche Eichung am zu vermeidenden, am verbotenen Ernstfall der auslöschenden Vernichtung von Individuen und Gemeinschaft entwickeln?

Dafür gab der amerikanische Präsident Wilson mit seiner Begründung für den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg ein erstes entscheidendes Beispiel: Wilson, der sich während seines Studiums intensiv mit Kants Schriften beschäftigt hatte, deklarierte: eine moderne Demokratie, wie die USA sie repräsentieren, führt nur noch Krieg zur Beendigung des Weltkriegs, ja zur Beendigung aller Kriege.

Dieses Vorgehen der USA, gerade durch Führen eines Krieges die Beendigung eines Krieges zu erreichen, wurde auch ausdrücklich verwendet, um die kriegerische Intervention der NATO im Kosovo zu legitimieren. Die Herren Fischer, Scharping und Co. gaben immer wieder zu Protokoll, daß die NATO kriegerisch interveniere, um den Krieg zwischen Serben und Albanern zu beenden. Fischer und Co. versicherten, daß selbstverständlich die in der NATO zusammengeschlossenen Staaten verpflichtet seien, die von ihnen angerichteten Schäden postwendend zu beheben. An jeder Rakete oder Bombe, die in der Bundesrepublik Jugoslawien abgeworfen wurde, klebte gleichsam ein Versicherungszertifikat: "Sorry, aber wir bauen, was wir zerstören mußten, gleich hinterher neuer und damit schöner auf, als es zuvor gewesen ist." Die militärische Operation war also offenbar nicht auf den Ernstfall der Zerstörung, die Vernichtung von Leben der Gegner ausgerichtet, sondern genau auf das Verbot von Verlusten an Personen und Sachen, und wo sie unumgänglich waren, verpflichtete man sich, die Schäden zu beheben.

Zum ersten Mal wurde den Bürgern der NATO-Staaten unumstößlich klar, daß es beim Krieg als Eichung am verbotenen Ernstfall nicht nur auf die Vermeidung der Tötung von eigenen und gegnerischen Soldaten und Zivilisten ankommt, sondern auch auf die Wiederherstellung des Status ante quo. Angemerkt sei, daß auch in der kriegerischen Eichung am verbotenen Ernstfall erhebliche Risiken stecken; so könnte ja irgendein "böses Regime" einer maroden Gesellschaft auf den Gedanken kommen, einen Krieg zu provozieren, um sich anschließend von den Gegnern eine leistungsfähige Infrastruktur aufbauen zu lassen. Und diese Regimes hätten damit nicht einmal nach innen Legitimationsschwierigkeiten, soweit sie die vormoderne Eichung ihres kulturellen Zusammenhangs selbstverständlich immer noch am existenziellen Ernstfall ausrichten. Zu einem guten Teil sind heutige Fluchtbewegungen aus solchen zumeist sakralrechtlich verfaßten Gesellschaften durch das bewußte Kalkül provoziert, die modernen Demokratien im Westen müßten ihnen nach deren Selbstverständnis die Sorge für vertriebene Minoritäten abnehmen.

Textverwandtschaften

1957 1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026

Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.