Buch Geld, Musik, Mythos, Macht.

Geisteswissenschaft im Dialog.

brockimport 0178-orig.jpg, Bild: brockimport ID_Object 178.
brockimport 0178-orig.jpg; Bild: brockimport ID_Object 178

von Horst Fuhrmann (Vorwort), Thomas Kempf (Vorwort)

Erschienen
1995

Herausgeber
Konferenz der Deutschen Akademiender Wissenschaften,

Erscheinungsort
Mainz, Deutschland

ISBN
3805318057

Umfang
241 Seiten

Einband
gebundene Ausgabe

Verdammnis der Erinnerung

Text

Graffiti sind Teil der mythischen Moderne, die wir in der Hochkultur der modernen Wissenschaft immer neu reproduzieren. Dies beschreibt sie freilich nur auf einer Ebene. Auf einer anderen Ebene wenden sie sich als aggressive subkulturelle Gesten genau gegen die Hochkultur, mit der ich sie eben in einen Zusammenhang gestellt habe. Sie sind als ostentative Zerstörungsakte eine Form der Liquidation oder, wie das historisch genannt wird, der Damnatio. Wir kennen die Damnatio memoriaevom Beispiel des römischen Kaisers Septimus Severus, der aus der Attika seines Triumphbogens den Namen seines ältesten Sohnes herausschlagen läßt, um damit seine Erinnerung auszulöschen. Solche Stellen der Übermalung, des Herausschlagens, des Wegwischens alter Schichten, des Hineinsetzens neuer Zeichen, solche triumphalen Verdrängungsgesten, Siegeszeichen späterer Epochen, stehen für die Damnatio. Sie ist also kein Unsichtbarwerden, sondern ein Sichtbarwerden des Unsichtbarmachens und des Auslöschens, ein Zeigen des Unterschiedsloswerdens. Ein ganz erheblicher Anteil heutiger Graffitiaktivitäten ist als solche Damnatio memoriae gedacht, als ein Vorgang des Auslöschens von Distinktionen, von Unterscheidungsmerkmalen. Das läßt sich unter anderem daran zeigen, wie sie sich auf die offiziellen Graffiti beziehen. Jede Straßenbahn fährt mit offiziellen Graffiti in Gestalt von Firmenlogos herum. Sie sind offiziell, weil sie bestimmten formalen Kriterien genügen und vor allen Dingen legal sind. Es wurde für sie bezahlt. Genau auf diese Distinktionen beziehen sich die zudeckenden, auslöschenden Graffiti der Subkultur. Auch hier haben wir es natürlich mit Anonymisierung zu tun. Nichts ist so aus löschend wie die Anonymisierung.

Textverwandtschaften

1957 1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026

Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.