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Stilwerk Magazin, Bild: Ausgabe 2 / 2019. © stilwerk.
Stilwerk Magazin; Bild: Ausgabe 2 / 2019. © stilwerk

Erschienen
01.01.2019

Herausgeber
Alexander Garbe

Erscheinungsort
Hamburg, Deutschland

Ausgabe
Nr. 2/2019

Abschnitt, beginnend auf Seite 98 im Original

Kolumne Bazon Brock

Leben reformieren durch Entrümpeln bei guter Beleuchtung

Text

Das Leben intensivieren? Durch Wohnen intensivieren? Durch Kleidung, Essen und andere Kulturgenüsse? Die Spannbreite des Programms „Intensivieren des Lebens“ in häuslichen wie in öffentlichen Szenarien ist extrem. So meinte Hermann Göring, der Genusssüchtige unter den vier Nazi-Größten, als er im Mai 1945 zum Ende des Tausendjährigen Reiches befragt wurde: „Wenigstens zwölf Jahre anständig gelebt!“ – das hieß Carinhall-Protzerei, täglicher dreifacher Wechsel der ordensbekleckerten Uniform, Machtgenuss im Kommandieren, Champagner-Sause und Selbstbespiegelung im Film. Demgegenüber steigerten die Mitglieder der Weißen Rose ihre Lebensintensität durch Kampf gegen die Diktatoren. Sie fanden es sinnvoll, ihr individuelles Leben zu riskieren, um anderen das Leben zu erhalten.

Kulturgeschichtlich steht das Modell „epikureisches Genießen“ gegen das Modell „stoische Pflichterfüllung“. Beide, Genuss wie Askese, sind Formen der Intensivierung des Lebens. Lassen sich die Positionen zugleich, das heißt in Übereinstimmung praktizieren? Zum Bauhaus-Jubiläum darf daran erinnert werden, wie Gestaltungsaskese zur bewussten Lebenssteigerung beitragen sollte. Licht, Luft und Wasser, gute, aber mäßige Kost und Bewegung in „Bewegungen“ sollten das Ideal der Aufklärung durchsetzen: Erleuchtung durch Beleuchtung, Souveränität durch Selbstbeherrschung, Freiheit als Einsicht in Notwendigkeiten und ein gutes Gewissen durch Verpflichtung auf Modernität.

Die Psychodynamik der erträumten Einheit von Genuss und Verzicht sollte jeder erkannt haben: Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen, wusste man von Luther bis Kant. Nach der Fresserei der guten Tage genießt man das Leben bei klarem Wasser und schwarzem Brot. Hinsehen und Wegsehen oder Hingabe und Ablösung, Vollstellen und reiner Tisch vermitteln wir durch die Einsicht „Alles in Maßen durch kluge Auswahl“. Lernt zu wählen mit Ziel und Sinn, das führt zur Professionalisierung des Konsumbürgers. Er wird zum Wähler mit Verstand, nur irritierbar durch gute oder schlechte Laune. Die bedeutendste Leistung des Bürgers ist das Wählen durch Auswählen. Was tut gut für das Gefühl der Sicherheit durch Besitz, was tut gut durch das Gefühl, unnötigen Ballast abgeworfen zu haben?

Gibt es eine Generalmaxime der Auswahlkriterien? Jawohl: Hochwertiges währt länger. Wer Gelsenkirchener Barock kauft, sitzt schon nach kurzer Zeit im Wegwerfplunder. Wer Erstklassiges wählte, vererbt das noch an die Enkel als teure Antiquität. Bauhaus-Prinzip: Weniges von Gestaltungsrang ist mehr als gemütliche Fülle im Durchschnitt. Weniger ist mehr. Das zu erkennen, lernt man vor allem in Museen und anderen Sammlungen von Kostbarkeiten. Kurz: Bildung ist Grundlage und höchste Ausprägung des intensivierten Lebens.

siehe auch:

Textverwandtschaften

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Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.