Vortrag / Rede Schlafende Bilder
Im Rahmen der Ausstellung „Schlafende“ in der Denkerei Berlin
Im Rahmen der Ausstellung „Schlafende“ in der Denkerei Berlin
„Einzuschlafen, heißt zu vergessen”, schrieb Paul Valéry, ins Unbewusste zu gleiten, sich ihm hinzugeben. Im mittelalterlichen Abendland war die Figur des Schlafenden mit schlechten Attributen beladen: Sünde, Faulheit, Verschwendung, Nachlässigkeit, Unwissenheit, Melancholie, Verzweiflung, Häresie ... In vielerlei Hinsicht sind wir immer noch dieser negativen Vorstellung verhaftet und betrachten den Schlaf häufig als verlorene, verschwendete, unproduktive Zeit.
Dennoch haben, zumindest seit der Renaissance, Künstler und Philosophen begonnen, sich mit dem Schlaf zu befassen, aus dem sie wie aus einer unerschöpflichen Quelle vielfältige und wirkmächtige Bilder der menschlichen Existenz hervorholten.
In diesem dunklen Teil unseres Lebens, den wir schlafend verbringen, haben sie vielfältige Figuren und Metaphern gefunden: die des Glaubens und des Vertrauens (Johannes während des Letzten Abendmahls), die des Begehrens und der Inspiration (Schlafende Venus, Nymphen an der Quelle), die des Todes und der Tröstung (Luther und der Schlaf der Seele).
Eine solche aktive Erfindungskraft im und durch den Schlaf wiederzuentdecken, kündigt sich darin für uns andere, „diese selbst für das Träumen zu müd gewordnen Lebensmüden“ (Nietzsche), in der Form des Versprechens und seiner Kehrseite, der Herausforderung, an.
Im Anschluss Diskussion mit Marina Seretti, Raphael Koenig und Bazon Brock.
Zur Person:
Marina Seretti ist Philosophin und Kunsthistorikerin und lehrt an der Universität Bordeaux. 2015 legte sie ihre Dissertation zum Schlaf in der Kunst und Philosophie der Renaissance an der Universität Sorbonne Paris vor.
Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.
Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.
Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:
Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.
Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.
Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.
Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.