"Die Sonnenverfinsterung wird ja hier auf Erden inszeniert!"

Text

10.August 1999: Bazon Brock in "Kultur heute" am Vorabend der letzten totalen Sonnenfinsternis des 20.Jahrhunderts.

Brock: Absolute Ohnmacht vor Naturereignissen, die wir mit keiner Macht beeinflussen können. Das ist sozusagen die Konfrontation mit der Wirklichkeit schlechthin. Wirklich ist nur das, worauf wir keinen Einfluss haben, also unsere eigene Ohnmacht erfahren. Das ist sozusagen eine uralte menschliche und auch in der frühen Kindheit gezeigte Angst, wenn das Kind allein gelassen wird, das Licht geht aus und es soll jetzt plötzlich im Schlafzimmer im Dunkeln alleine bleiben. Das muss es regelrecht lernen, das Vertrauen zu haben, morgen früh geht das Licht wieder an.

Diese menschheitsgeschichtliche verankerte und in jedem Individuum wieder aufkommende Urangst vor dem Ausbleiben der Lebensquelle, Fantasien darüber, dass Sterne, die viel weiter und weg sind, schon seit Hunderten von Jahren tot sind, ihr Licht uns aber jetzt erst erreicht und wir eigentlich in einer fiktiven Welt leben, alle diese Fantasien gehören dazu.

Und natürlich das inszenatorische Mittel: Die Sonnenverfinsterung wird ja hier auf Erden inszeniert. Durch die Medien, durch das Gespräch der Menschen, durch die Aktualisierung dieser Ängste. Also, sie findet tatsächlich in unseren Köpfen statt. Und das, was wir am Himmel dann sehen, ist ja ein ganz kurzer ephemerer Augenblick und eigentlich können wir als Laien gar nichts daran sehen und gucken auch vernünftigerweise gar nicht hin. Es ist eigentlich eine Inszenierung, Inszenierung der Verfinsterung.

Textverwandtschaften

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Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.