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Ausgabe 123
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Corinne M. Flick im Gespräch mit Bazon Brock
Aus dem Podcast:
Kulturen sind Beziehungsgeflechte zwischen Menschen zur Gewinnung und Gewährung von Stabilität in diesen Beziehungen. Das gelingt durch vereinbarte Regeln oder durch Gesetze.
Kulturen sind auf die Gewährung der Sicherheit und Stabilität ausgerichtet […] Wer aber an einer solchen Ordnung festhält, verliert seine Anpassungsfähigkeit. Damit riskieren Kulturen gleichzeitig ihr Überleben.
Der Begriff der Zivilisation wurde entwickelt, um den Verkehr zwischen verschiedenen Kulturen vernünftig zu regeln, oder zum Vorteil und Nutzen aller Beteiligter zu befrieden.
Am Anfang des 14. Jhds. entsteht der Konflikt zwischen der dauersichernden Kollektivität der Kulturen und der Anpassungsfähigkeit durch Erfindungs- und Ideenreichtum entwickelten Auffassungen von Individuen. Diese Individuen hießen Künstler und Wissenschaftler.
Künstler und Wissenschaftler vertraten Argumente, die aus sich heraus als überlegen anerkannt werden mussten, so dass denen, die sie vertraten, dadurch Autorität zukam. Autorität als Autor, nicht Autorität als Kulturmitglied.
Träger der Kulturen verwenden den eigenen Untergang als Druckmittel gegenüber ihren Mitgliedern, die vielleicht als Bürger, Wissenschaftler oder Künstler wagen, eine andere Meinung, eine andere Aussagen-/Urheberschaftsautorität zur Geltung zu bringen.
Die Europäer waren 600 Jahre lang so erfolgreich, dass sie die gesamte Welt beherrschten. Sie waren so überlegen, dass sie glaubten, sie seien auf Dauer in dieser Position gesichert. Sie wurden arrogant, sie wurden machtwahnsinnig. Und das ist immer der Beginn des Untergangs.

Convoco! Podcast: Woran gehen Kulturen zugrunde?
Corinne M. Flick im Gespräch mit Bazon Brock, 13.09.2024
Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.
Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.
Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:
Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.
Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.
Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.
Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.