Was bedeutet es, Europäer zu sein?

Corinne M. Flick im Gespräch mit Bazon Brock über Identität

Text

Auszüge aus den Aussagen von Bazon Brock:

Zur Entwicklung der Identität gehört die Vorstellung, dass man sich als Individuum nur behaupten kann, wenn man diejenigen, von denen man sich absetzen und denen man entgegentreten will, anerkennt.

Das heutige Missverständnis ist: Jeder glaubt, Identität sei die Fähigkeit des Individualismus – “ich und sonst nichts”. Doch Individualität hat nicht, wer sich von anderen absetzt, sondern Individualität und Identität hat, wer die Anderen repräsentieren kann.

Kosmopolit ist, wer möglichst viele Identitätsbehauptungen anderer nachvollziehen und entsprechend als begründet anerkennen kann oder als unbegründet abweisen muss.

In den USA hat man gesagt, dass Einheit durch das Einschmelzen der Verschiedenheit entsteht. Europäer ist man aber nur dann, wenn man andere Kulturgeschichten kennt und in der Behauptung der eigenen Individualität in der Lage ist, die Interessen anderer zu vertreten. Das müssen wir für die europäische Entwicklung wieder einfordern.

Kreativität und Erfindungsreichtum sind nur möglich jenseits der kulturellen Autoritäten. Das können nur die Individuen.

Die Kritik an der Fähigkeit eines Menschen, einen anderen überhaupt angemessen zu repräsentieren, führt zu kategorialen Ausschlüssen, zum Beispiel, dass ein Weißer einen Schwarzen überhaupt nicht verstehen kann. Das ist prinzipiell die Eröffnung des Kulturkampfes als Kulturkrieg.

Auf Basis der zivilisatorischen Errungenschaften, die nicht einer Kultur zugerechnet werden, sondern der Gesamtheit menschlicher Lebensformen – wie Medizin, Verkehrs- und Kommunikationstechnologie und kapitalistische Methoden der Warenvermittlung -, können wir hoffentlich die Möglichkeit der Würdigung der Anderen als anders verwirklichen.

Medien

Convoco! Podcast: Was bedeutet es ein Europäer zu sein? Gespräch über Identität
Corinne M. Flick im Gespräch mit Bazon Brock, 17.09.2021

Convoco! Podcast: Was bedeutet es ein Europäer zu sein? Gespräch über Identität; Audio: Corinne M. Flick im Gespräch mit Bazon Brock, 17.09.2021

Textverwandtschaften

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Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.