Buch Lustmarsch durchs Theoriegelände
– Musealisiert Euch!
+ 4 Bilder
Gestaltung: botschaft prof. gertrud nolte
Das Buch ist mit einem Plakat-Umschlag in den Maßen 58 cm x 79 cm eingeschlagen.
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Das Buch ist mit einem Plakat-Umschlag in den Maßen 58 cm x 79 cm eingeschlagen.
Seite 328 im Original
Gegenwärtig scheint sich individuelles wie soziales Pathos aus dem Wettbewerb um die tragischsten Opferrollen zu ergeben. Der gewünschten Viktimisierung entspricht eine gleichzeitig beobachtbare durchgehende Infantilisierung der Gesellschaft durch lustvolle Identifikation mit schuldunfähigen Kindern in Konsumparadiesen. Der Weigerung, erwachsen zu werden, also Verantwortung zu übernehmen, ließe sich entgegentreten, indem man übt, sich mit den Tätern zu identifizieren. „Niemals wieder Opfer sein“, das ist tatsächlich AZ, der Andere Zustand der Autonomie.
Die letzte Station unseres Lustmarsches zeigt die Installation eines überdimensionierten Kinderlaufstalles. Hier könnte auch ein Erwachsener geräumig gefangen oder ein Kind zum Spielen abgesetzt werden. In diesem gemütsfarbig ausgelegten Container der Kindlichkeit befinden sich liegengelassenes Spielzeug und andere, zunächst belanglos erscheinende Gegenstände. Schlümpfe aus Plüsch, eine Krawattensammlung, Namensschilder als Identitätsnachweise für Kongressteilnehmer und etwas veraltet wirkendes Kriegsspielzeug stecken den Parcours der Assoziations- und Erinnerungswege ab, deren Pfade weit verschlungener sind, als das zunächst den Anschein erweckt. Über dem Laufstall fängt sich, wie in einer surrealistischen Traumsequenz, ein Kinderwagen in einem Fischernetz. Der Inszenierung ist nicht abzulesen, ob sie einen Akt der Rettung oder den eines Verlustes markiert.
Gitter und Maschen, die an Tierhaltung und Fischfang erinnern, setzen Bilder der Kindheit frei. Die Gitterstab-Metapher spielt auf die Verbindlichkeit sozialer Regeln an, die in der Kindererziehung eingeübt werden. Wer gegen sie verstößt, kommt ins Gefängnis. Die Gitterstäbe unseres Kinderlaufstalles verweisen auf das Urerlebnis mancher Gesellschaftsgruppen: Kaum den hölzernen Gitterstäben des Laufstalls entwachsen, verbringen sie ihr weiteres Leben hinter den metallenen Stäben der Gefängnisse. Die Gitterstäbe stehen darüber hinaus für die Gepflogenheit in gewissen Ländern, Angeklagte vor den Gerichtsschranken in den Käfig zu sperren. (1)
Das durch unsere religiös-kulturelle Prägung einstudierte Opfer- und Pathosverhalten wird anhand der kognitiven Objekte im Laufstall thematisiert. (2) Die bei den Vätern und Patriarchen anhebende Pathosgeschichte wird hier en miniature nachgestellt beziehungsweise säkular umgesetzt.
Die gesamte europäische Fixierung auf die Möglichkeit des Menschenopfers ist auf die Urgeschichte von Abraham und Isaak in Genesis 22 zurückzuführen. (3) Ganz gleich, wer sich wettbewerbsspekulativ als das jeweils größere Opfer darstellt, er bezieht sich stets mittelbar oder unmittelbar auf diese Geschichte. Die Institutionalisierung des menschlichen Opferstatus beginnt mit Isaaks Kindheitstrauma, sich plötzlich und unvorbereitet unter dem Messer des Vaters wiederzufinden. Wie alle wissen, hat ihn der Engel Gottes in letzter Sekunde noch gerettet. Vor dem Schock konnte er ihn jedoch nicht bewahren. Das Bild ist geblieben. Abraham, der Gründervater der drei monotheistischen Weltreligionen (und wegen seines totalen Befehlsgehorsams zugleich Ahnherr aller Faschisten), hat seine Kinder und Kindeskinder mit diesem Absolutheitsgehorsam gegenüber dem unsichtbaren Gott von vornherein ans Messer geliefert. Wir alle sind Isaak. Die Menschheit hat den Opferstatus für sich entdeckt. Vorgefertigte Bilder und Argumente liefern wir anhand unserer Prêt-à-penser-Ständer, auf denen Gedanken von der Stange gebrauchsfertig präsentiert werden.
Auf einer Darstellung des Schnorr von Carolsfeld wird beispielsweise die Geschichte der Opferung Isaaks durch seinen Vater dargeboten.
Der Engel fordert im Namen Gottes Abraham auf, an Stelle des Sohnes einen Bock zu opfern, womit der kulturgeschichtliche Übergang vom Menschenopfer zum Tieropfer markiert wird. Das christliche Konzept des Lammes Gottes als zur bloßen symbolhaften Hostie verwandeltes Opfertier hostia beendet die Notwendigkeit des realen Abschlachtens. Die Oblate, also eine rein symbolisch wirksame Repräsentation, zu zeigen, genügt, um zu veranschaulichen, daß absoluter Gehorsam nicht erzwungen werden darf: „Mit unserer Macht ist nichts getan“, heißt es bei Luther. (4) Wer das einsieht, ahnt, welche besondere Rolle die Christenheit bei der Entwicklung der Demokratie, des Freiheits- und des Individualitätsbegriffs gespielt hat; Demokratie als politische Ordnung gegründet in der Ohnmachtserfahrung der Menschen.
In den siebziger Jahren schuf ein holländischer Liedermacher, der sich programmatisch Vader Abraham nannte, eine Miniaturgesellschaft der Schlümpfe, die, durch seinen Gesang vermittelt, in nahezu jedes europäische Kinderzimmer gelangten. Dabei bediente sich Vader Abraham der Vorlagen des Zeichners „Peyo“ (deutsche Version von Peter Wiechmann, der das belgische „les Schtroumpfs“ in „die Schlümpfe“ verwandelte). (5) Nach der Verbreitung der durch die Gebrüder Grimm volkstümlich gewordenen Charaktere und Figuren sind die Schlümpfe die jüngste erzieherische Anstrengung, um kleinen und großen Kindern eine Anleitung zur Veränderung, ja zur Überwindung des kulturellen Täter-Opfer-Schemas mitzugeben. Die Schlümpfe sitzen als Spielzeug, also als theoretische Objekte, im Laufstall, hinter den Gitterstäben der Kindheit und erinnern an die Pathosformel „Opfer des Isaak“ zur Modellierung eines Gegenbildes der friedfertigen postpathetischen Miniaturgesellschaften. Die Schlümpfe als Kinderspielzeug repräsentieren in ihrem Doppelcharakter von Zweibeinern und dem Fell von Vierbeinern die Einheit von menschlicher wie tierischer Opfergestalt: die unio mystica des Leidens. Schlümpfe als animierte Tier-Mensch-Wesen verweisen zum einen auf das menschliche Opfer in der Rolle des Isaak und in zweiter Hinsicht auf die von Gott selbst gebotene Ersetzung des menschlichen Opfers durch ein Tieropfer. (6)
Besonders auffällig ist die Kopfbedeckung der Schlümpfe, eine Anspielung auf die rote phrygische Mütze der französischen Revolutionäre, wodurch die Erscheinung der Schlümpfe auf den Dreiklang der Nationalfarben Frankreichs blau – weiß – rot fixiert wird.
Einerseits könnte die phrygische Mütze auf eine fundamentalistisch-revolutionäre und kindliche Naivität abzielen, nämlich Gottvatergehorsam als Programmgehorsam auszulegen. Die Revolutionäre von 1789 sprengten viele Gewißheiten des Glaubens und überwanden damit das überkommene Opfer-Täter-Schema. Die Abtrennung von Gottvatergehorsam und Parteiengefolgschaft wurde zum Muster der erzieherischen Beherrschung gesellschaftlicher Lebensbedingungen. Die Revolutionäre trugen die phrygische Mütze, um anzuzeigen, daß sie im Namen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aus der Gefangenschaft der kulturell-religiösen und rassisch-ethnischen Systeme herausfinden wollten. Doch die ab 1792 bis 1794 von Saint-Just und Robespierre entwickelte gewaltsame Ersetzung der Glaubensdogmen durch die Revolutionsdogmen endete im radikalen Tugendterror: Wer nicht freiwillig diesem Verständnis von Säkularisierung folgte, wurde eben mit allen zur Verfügung stehenden Machtmitteln dazu gezwungen, sein kulturalistisch-religiöses Verständnis am eigenen Leibe zu verspüren.
Die Geschichte der phrygischen Mütze der französischen Revolutionäre wie der Schlümpfe geht auf eine Erzählung über den König Midas zurück, der mit dieser Kopfbedeckung seine Eselsohren zu kaschieren versuchte. Dieser König aus Phrygien (heute Türkei) litt unter einer typisch kulturalistischen Zwangsneurose oder Wahnidee, allen seinen Wünschen durch die strikteste Erfüllung entsprechen zu müssen. Das äußerte er in der bekannten Formulierung, es möge alles, was er berührt, zu Gold werden. Der ebenfalls aus Phrygien stammende Gott Dionysos verlieh Midas die gewünschte Begabung eines Goldmachers als Dank für die Rettung eines Dionysosgefährten durch den König.
Naturgemäß bekam Midas die Erfüllung seines Verlangens schmerzlich zu spüren. Er konnte nämlich nichts mehr zum Mund führen, ohne daß daraus Gold entstanden wäre. Unfähig, Nahrung zu sich zu nehmen, erkannte Midas seine Verfehlung und bat daraufhin den Gott, die eben noch so begehrenswerte Kraft zur Erfüllung aller Wünsche zurückzunehmen. Dionysos willigte ein, jedoch nicht ohne ein bleibendes Andenken an die Eselei zu hinterlassen. Er verhängte einen „Anderen Zustand“ über den König, indem er ihm buchstäblich die Ohren lang zog. Der Gott Dionysos ließ Midas Eselsohren wachsen, damit er stets in Erinnerung behalte, wie unendlich beschränkt man als Kulturmensch sein kann. Joseph Beuys hat mit seinem Sohn Wenzel eine wunderbare pädagogische Aktion zu diesem Komplex veranstaltet: „Langziehung anstatt Erziehung“ (Wuppertal 1965); nur wer am eigenen Kopfe Eselsohren spürt, wird davor bewahrt, dieselben Eseleien immer erneut zu begehen.
König Midas ahnte, welche Schwierigkeiten der offensichtliche „Andere Zustand“ der Einsicht in die eigene Dummheit ihm bereiten würde. Um seine Schandohren zu bedecken und bei seinem Volk weiterhin Vertrauen zu genießen, erfand er ein seiner Stellung gemäßes hoheitsvolles Zeichen der Beschämung und der Reue, eben die phrygische Mütze, die entfernt an die Pharaonenkrone beiderlei Ägyptens erinnert. Als er mit ihr auf die Straße ging, scholl ihm der Spottgesang der Kinder entgegen. Vor dem Hohngelächter entwich der König ins Schilffeld am Rande der Siedlung, wo ihm beim Durchstreifen der eng stehenden Schilfrohre lautmalerisch Wisperstimmen „ein Esel, ein Esel“ zuraunten. (7)
Um Einsicht in die eigene gewißheitsfanatische, fundamentalistisch geprägte Natur zu gewinnen, sollte jedermann eine phrygische Mütze aufziehen und sich damit als einen geheilten Midas ausweisen. Er würde damit dauerhaft anzeigen können, daß die fundamentalistische Durchsetzung, d.h. die wortwörtliche Umsetzung von Programmen und Wünschen in die Realität, wie bei Midas in eine Katastrophe führt. Die phrygische Mütze kann Kennzeichnung derer sein, die aus Schaden klug geworden sind, und deren Ziel es daher nicht mehr sein kann, was sie anfassen, zu Gold oder Geld werden zu lassen. Die Erzählung über das Scheitern jeden Verlangens nach der Kunst des Gold-Machens erhält in diesem Kontext eine tiefere Bedeutung, weil gleichzeitig erkennbar wird, daß der Sinn des goldenen Geldes ausschließlich in dessen medialer Vermittlung besteht, das heißt, Geld gibt dem Austausch zwischen Menschen einen Maßstab für die Kosten ihres Bemühens um Anerkennung.
In unserer Zeit versucht der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, seine einstmals siegesgewiß in V-Formation hochgereckten Finger als die ihm inzwischen gewachsenen Eselsohren mühsam zu verstecken. Seine Midaseseleien bestanden darin, seine Tätigkeit als Bankchef ausschließlich darauf auszurichten, eine 25%-Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften, ohne jedes Bewußtsein für seine Verantwortung in der Gesellschaft, in der er wirkt, das heißt, ohne Respekt vor den Bedingungen seines Handelns. (8) Unser Midas war an die Spitze der Deutschen Bank deshalb aufgestiegen, weil er seine fundamentalistische Orientierung aufs Goldmachergeschäft vor den noch unbelehrten Midassen seiner compadres glaubwürdig versicherte. Wir sind gespannt, welche Scham- und Schandverhüllung er zum Symbol der besseren Einsicht erfinden wird. Möglicherweise hat er die Kunstsammlung der Deutschen Bank als Galerie unter den Hut gesteckt, so daß sie beim Lüpfen sichtbar wird. So jedenfalls lautete ein Vorschlag von Robert Filliou, der 1961/62 in Paris eine Galerie „sur la tête“, also unter dem Hut betrieb.
Anmerkungen
(1) Saddam Hussein hat man im Bagdader Gerichtssaal hinter Gitterstäben präsentiert. Prominent ist auch die Inhaftierung des Dichters Ezra Pound, den im Zweiten Weltkrieg die US-amerikanischen Alliierten in einen Käfig sperrten. Dort verfasste er seinen berühmt gewordenen „Pisaner Cantos“.
(2) „Pathos“ ist seiner Herkunft nach der Rhetorik, dem Drama und der Tragödientheorie verpflichtet und rekrutiert Darstellungs-, Artikulations- und Deutungsmuster für massive Effekte, die entweder simuliert oder stimuliert werden sollen. Siehe Aristoteles: Rhetorik 1377b; Poetik 1455a; Cicero: Orat. 131f.; Quintilian führt mittels der Begriffe enargeia, illustratio und evidentia eine Technik der Affektinszenierung ein, die in der antiken Tragödie zu jenem Funktionskonzept von theatralem Pathos geführt hatte, das man katharsis nennt, die Reinigung der Zuschauerseelen durch Mitleiden.
(3) Zum Abraham-Isaak-Motiv in der Kunstgeschichte der Renaissance siehe Heinen, Ulrich: „Der Schrei Isaaks im ‚Land des Sehens‘. Perspektive als Predigt – Exegese als Medienimpuls. Abrahams Opfer bei Brunelleschi und Ghiberti (1401/02).“ In: Isaaks Opferung (Gen 22) in den Konfessionen und Medien der Frühen Neuzeit. Hg. v. Johann Anselm Steiger und Ulrich Heinen (=Arbeiten zur Kirchengeschichte Bd. 101). Berlin, New York 2006, S. 23–152.
(4) Siehe die „Marseillaise der Reformation“, das Lied „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“ in: Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, S. 80 f. und Kapitel „Kontrafakte –Karfreitagsphilosophie – Die Gottsucherbanden – Der Faschist als Demokrat“.
(5) Siehe 1976 produzierter Zeichentrickfilm „Die Schlümpfe und die Zauberflöte“.
(6) Beim Opfervollzug ist man auf das christliche Altargeschehen verwiesen, das sich stets rein symbolisch vollziehen soll. Bei der symbolischen Handlung kommt es nur noch auf den „Kunstgriff der Vergegenwärtigung“ an: „Sie lässt etwas, was nicht mehr ist, was kein Hier und Jetzt mehr hat, dennoch wiederkehren – abgelöst von seiner singulären physischen Präsenz: als deren Echo, Zitat, Abzug, Vervielfältigung, Extrakt. Was wiederkehrt, ist nicht die Sache selbst, sondern ihr ‚Geist‘, nur daß dieser Geist noch weit davon entfernt ist, verselbständigt als Dämon, Gespenst oder Gott vorgestellt zu werden. Seine Vorstellung ist vielmehr seine Darstellung, seine performance. ‚Geist‘ wird im Opfervollzug, im ritualisierten kollektiven Herfallen über bestimmte Menschen und Tiere, ausgeführt. Er ist zunächst nichts von der Aufführung Abgelöstes, aber die Aufführung selbst ist der Beginn jenes Sich-Ablösens vom Hier und Jetzt, […].“ – „Türcke, Christoph: Gott – inexistent, aber unbeweisbar.“ In: Blume, Anna (Hg.): Beiträge zur Phänomenologie des Heiligen und der Religion. (=Neue Phänomenologie Band 9) Freiburg, München 2007, S. 115.
(7) So kam übrigens auch das Schilfrohr zu seiner Funktion als Erziehungs- und Weisungsstock. Anhand der Edition „Rohr und Rebe“ zeigt Bazon Brock, wie die kulturalistische Tätigkeit der Weinbergerziehung und die zivilisatorische Erziehung durch Unterricht mit Rohrstock als Parallelaktion betrachten werden können. Überhaupt werden wir anerkennen müssen, daß „die wichtigsten Dinge durch Röhren getan werden. Beweise erstlich die Zeugungsglieder, die Schreibfeder und unser Schießgewehr, ja was ist der Mensch anderes als ein verworrenes Bündel Röhren“ in: Lichtenberg, Georg Christoph: Schriften und Briefe. Erster Band. Sudelbücher. Hg. v. Wolfgang Promies. München 1968, S. 349 f.
(8) Erstaunliche Erklärungen werden für die Folgen der sogenannten Hypothekenkrise in den USA des Sommers 2007 in allen Medien verbreitet: Die Banken zögerten, sich untereinander Gelder anzuvertrauen. Sie mißtrauten einander, da sie ihre eigenen Geschäftspraktiken nur allzu gut kennen. Geldgeschäfte sind nun mal reine Vertrauenssache (siehe „Süddeutsche Zeitung“, 24. Januar 2008, S. 11: „Alles heiße Luft. Was Fiesco die Banken lehrt: Je mehr man vom Vertrauen redet, desto weniger Grund gibt es dafür“). Erstaunlicherweise machen sich die Banken keine Gedanken darüber, daß sie auch vom Vertrauen ihrer Kunden abhängig sind. Offensichtlich halten sie die Privatkunden für ohnehin vertrauensselige, kenntnislose und unmündige Subjekte – und das mit Recht, denn sonst würden die Kunden den Banken nach deren eigener Auffassung ebenso wenig Geld anzuvertrauen bereit sein, wie die Banken es untereinander sind. Auch aus dieser Konfrontation der Banken mit der ökonomischen Wirklichkeit, als der Sphäre, die ihrem Belieben entzogen ist, werden die Herren des Zahlungsverkehrs nichts lernen müssen. Die vereinigten Nationalbanken erklärten sich zum wiederholten Mal binnen kurzer Zeit bereit, der legalisierten Kriminalität beliebige Mengen Geld zur Verfügung zu stellen. Bemäntelt mit dem angeblichen Interesse der Allgemeinheit, garantiert man den Geldgangstern die Fortsetzung ihrer Geschäfte, statt sie für die Konsequenzen ihrer eigenen Machenschaften zur Verantwortung zu ziehen.
Film · Erschienen: 01.01.2008
Ausstellung