Buch Lustmarsch durchs Theoriegelände
– Musealisiert Euch!
+ 4 Bilder
Gestaltung: botschaft prof. gertrud nolte
Das Buch ist mit einem Plakat-Umschlag in den Maßen 58 cm x 79 cm eingeschlagen.
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Gestaltung: botschaft prof. gertrud nolte
Das Buch ist mit einem Plakat-Umschlag in den Maßen 58 cm x 79 cm eingeschlagen.
Seite 274 im Original
Wir präsentieren in der Ausstellung ein ganzes Sortiment von Stahlkapseln, Behältnisse, die ihren Inhalt bis auf weiteres den Bedingungen des Zerstörtwerdens entziehen können. Die Kapseldeckel tragen die Gravur: „Kometenschweif und Fluchtgepäck“. (12) Was für wertvoll genug erachtet wird, um es vor den Furien des Verschwindens zu bewahren, wird am besten nicht digital, sondern in dem Verfahren namens „Stein von Rosette“ analog gespeichert. Benannt ist dieses Verfahren nach dem „Stein von Rosette“, der maßgeblich dazu beitragen konnte, die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern, da auf ihm auch eine griechische Version desselben Textes eingraviert war. Entdeckt wurde dieser Stein 1799 von einem französischen Offizier Napoleons namens Pierre François Xavier Bouchard. Das Verfahren nach Rosette ermöglicht die Speicherung einer Unmenge von Daten auf kleinstem Raum.
An jedem Ausstellungsort habe ich den Museumsdirektoren angeboten, diese Endlagerungsgefäße sinnvoll zu bestücken. Adalbert Hoesle garantiert dafür, daß die Zeitkapseln anschließend bei anderem Ewigkeitsgepäck der BRD in einem Salzstock bei Freiburg i.B. bunkersicher lagern. Dankenswerterweise akzeptiert die deutsche Bevölkerung, vertreten durch den Bundestag, die Verpflichtung, die bis in alle Zeit entstehenden Kosten tragen zu wollen, wie etwa auch im Fall der Folgekosten für die Auswirkungen aufgelassener Bergwerke. Aus dieser Verpflichtung entwickelte sich der einzige Begriff universellen Zuschnitts, den die kleine Bundesrepublik nach der Aufgabe der Begriffe „Reich“, „Vaterland“, „Nation“ hervorgebracht hat, nämlich den Begriff „Ewigkeitskosten“.
Unser Fluchtgepäck nimmt durch die Leistung des Antizipierens tatsächlich den Eventualfall als Normalität in sich selbst auf, ist also ein echtes Rettungskomplett.
Wird ein neu gebauter Saal mit Fluchtzeichen ausgestattet, so sieht jemand voraus, daß es vor Ort zu einer Panik kommen und also Bedarf nach Anleitung für den Fluchtweg ins Freie herrschen könnte. Diese mittlerweile global durchgesetzten Fluchtzeichen bilden keinen Widerspruch zur verläßlichen Architektur des Raumes oder zur Brauchbarkeit der Konstruktion. Es liegt im Prinzip des Entstehens und Herstellens, daß „alles, was entsteht, wert ist, daß es zugrunde geht“. In jedes richtig durchdachte Objekt wird deshalb sein eigenes Ende eingefügt. Alle modernen Objekte weisen Sollbruchstellen auf. Nahrungsmittel haben Verfallsdaten, wobei das Anschreiben eines Verfallsdatums keine Kritik an der Ware ist, sondern, ganz im Gegenteil, die Sicherheit im Umgang mit ihr garantiert. Jede vermeintliche Sicherheit erweist sich als eine Steigerungsform von trügerisch, nämlich als tückisch.
Anmerkungen
(12) Siehe Veröffentlichung zu retrograden Strategien, in: Culture insurance no title no reception. Hg. v. Adalbert Hoesle. Köln 2006. Darin: Brock, Bazon: „Neuerungssucht und Ewigkeitsanspruch. Zur Endlagerung kultureller Gewissheiten“, S. 295 ff. Siehe dazu Bazon Brocks diverse Darstellungen des Verhältnisses von vergangener Zukunft zu zukünftiger Vergangenheit und zu den Gedanken des Fininvestments.