Diskussion Kunst ≠ Kultur - Soll die Documenta überleben?

Streitgespräch mit Wolfgang Ullrich und Bazon Brock

Seit die Oberklassen des Kaiser-Karl-Gymnasiums in Itzehoe 1954 ff. mit Numsenbussen nach Berlin-Köpenick gefahren wurden, um dort mit FDJ-Intellektuellen zu disputieren und auf dem Rückweg vor der Parterrewohnung Gottfried Benns in der Bozener Straße 20 andächtig zu verweilen, insistierte der stets als vorlaut mit dem Namen Bazon stigmatisierte Jürgen Johannes Hermann Brock auf dem wichtigsten Beitrag Benns zur Kunst- wie zur Kulturgeschichte Deutschlands. Wahrscheinlich hat kein weiterer Zeitgenosse wie Bazon stets Benns Grundunterscheidung von Kunstträgern und Kulturträgern in die Dispute einzubringen versucht.

Wenn Benn mit seiner radikalen Entgegensetzung von Kunst und Kultur kein Gehör fand, ist es kaum verwunderlich, dass auch Bazon mit der penetranten Verpflichtung auf die unüberbrückbare Differenz von Kunst und Kultur nicht in der Öffentlichkeit durchdrang – bis zum Sommer des jüngsten documenta-Desasters. Auf die höchste Klickrate aller Zeiten für einen Kultur heute-Beitrag des Deutschlandsfunks reagierten selbst etablierte Künstler wie Baselitz mit dem enthusiastischen Lob, endlich habe da einer die künstlerische Arbeit von Individuen gegen die kulturelle Autorität der Kulturkollektive (vornehmlich als Geldgeber) zu verteidigen gewusst.

Aber leider hat die Wirkung schnell nachgelassen, wie die Tatsache beweist, dass gegenwärtig für die Diskussion weltbewegender kriegerischer wie kapitalistischer Kulturkämpfe von der Ukraine über den Nahen Osten bis nach Taiwan niemand (!!!) irgendein Argument aus dem Bereich der Künste in Anschlag gebracht hat. Also ist für die längst fundamentalistisch-totalitär gewordenen Kulturen selbstverständlich, dass die Künste – vornehmlich die Individualleistungen von Künstlern – jenseits des Kulissengeschiebes in der Eventkultur vollständig bedeutungslos sind.

Diesen Sachverhalt kennzeichnet aber nicht das seit Hegel sprichwörtliche Ende der Kunst im generellen Verständnis – was dann? Das wird Ihnen immer wieder Bazon Brock klarzumachen versuchen. Das nächste Mal am 27. Mai in der EAM Collection. 

Wolfgang Ullrich wird sich gekonnt der Widerlegung der Brock'schen These annehmen.

Bitte anmelden unter info@eam-collection.de

U-Bahn: Adenauerplatz
Aufzug bis zum 4. OG, nicht barrierefrei

Unkostenbeitrag: 15 Euro
Barzahlung ist aus technischen Gründen nicht möglich.

Informationen zur Zahlung per Überweisung oder PayPal unter www.eam-collection.de/events/

Aus der Ankündigung auf der Website der EAM-Collection:

„Wir alle brauchen Kunst und Kultur! Im Doppelpack haben sie seit jeher eine herausragende Bedeutung für unsere Gesellschaft.

Im vergangenen Jahr haben wir uns mit der "Entkunstung" beschäftigt. Nun wollen wir der aktuellen Debatte nachgehen ob Kunst und Kultur einerlei oder zweierlei sind. Vielleicht muss diese Frage aber auch für jede Zeit wieder neu beantwortet werden?

Zuletzt spielte sie in der Auseinandersetzung um die "documenta fifteen" im Jahr 2022 eine große Rolle. Aber hatte man da einfach wieder "Pech in Kassel" - oder waren die dortigen Ereignisse symptomatisch für viele aktuelle Auseinandersetzungen in der Kunstwelt? Und hat die Documenta überhaupt noch eine Zukunft? Und wenn: als Kunst- oder als Kulturereignis?

Hierzu haben wir die beiden Kunsttheoretiker Wolfgang Ullrich und Bazon Brock zum (Streit)gespräch eingeladen.

Es erwartet uns ein spannender Abend. Und wie immer wird er mit infinitesimalem Wein, Häppchen und guten Gesprächen enden.

Selbsverständlich haben Sie vor und nach dem Gespräch die Möglichkeit die Ausstellungen der EAMC zu besichtigen.“

Termin
27.05.2024, 19:00 Uhr

Veranstaltungsort
Berlin, Deutschland

Veranstalter
Elke und Arno Morenz Collection

Veranstaltungsort
Salon Arno Morenz, EAM Collection, Sybelstr. 62, 10629 Berlin