Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inTumult 37/2011 im AbschnittFininvest – Gott und Müll Weshalb haben Dieter Roth, Joseph Beuys, Kurt Schwitters, Jean Tinguely, Pablo Picasso oder Arman e tutti eletti als Künstler große Anerkennung erfahren, obwohl sie wiederholt mit der demonstrativen Geste „Das ist alles bloß Müll“ die Betrachter ihrer Werke provozierten? Die Künstler stellten nämlich mit ihren Werken selbst die Frage, was denn daran Kunst sein solle, mit Vermüllungen, Sprengungen, Zerstörungen, Müllagglomerationen, Zerfließen, Zerlaufen und Zerfallen von Materialien zu arbeiten. Die Antwort lautet: Man evoziere gerade dadurch die Stiftung von Sinnhaftigkeit – vorausgesetzt, man biete entsprechende Unterscheidungskriterien dem Publikum an, um so die Bewertung der Sinnstiftungsversuche zu ermöglichen. Themen Müllkult Andrea Kuehbacher Hans-Jürgen Siegmund Petrus Wandrey
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inTexte zur Kunst, 17/1995 im AbschnittWer nicht über sich selbst spricht, hat nichts zu sagen. Mein Motiv ist die Selbstfesselung, die Ästhetik des Unterlassens: gegenüber der Täter-Philosophie und der Opfer-Philosophie, die unsere Kulturgeschichte beherrscht, eine dritte Position des Tuns durch Unterlassen zu beziehen. Das ist auch die Antwort auf den Totalitarismus: Sobald sich jemand an Rezepte und Empfehlungen hält, beginnt das Elend. Das liegt nicht an den Konzepten. Wenn sämtliche Vorschläge zur Verbesserung der Welt von Jesus Christus stammen würden, wäre der Totalitarismus genauso stark, wie er historisch gewesen ist. Die Frage ist dann: Was kann man überhaupt noch sagen? Ich habe im Vorwort zur Re-Dekade ausdrücklich geschrieben: Ich weiß nicht, wie das für mich ausgeht. Themen Selbstfesselung Andrea Kuehbacher Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inDie Kunst zu werben., 1996 im Abschnitt3. Alle reden vom Wetter, wir machen es Die härteste Herausforderung für die 68er boten jene (zu denen auch ich gehörte), die ihre Vermutung wohlbegründeten, die Werbung werde sich als entscheidende revolutionäre Kraft erweisen, weil sie mit ihrer bedenkenlosen Abkoppelung der frohen Botschaften von der sozialen Realität ein schließlich implodierendes Vakuum aus leeren Versprechungen erzeugen würde. Themen keine Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inLifesendung des Senders Freies Berlin und des Norddeutschen Rundfunks, Hörfunk III, 1968 im AbschnittDie Technik der Affirmation. Bemerkungen beim Blättern in lllustrierten Das Mindestmaß der heute rezeptionsnotwendigen Reizdichte im Angebot an Information wird immer höher, wozu die ästhetische Praxis ihr Teil beigetragen hat. Jeder Lehrer weiß, daß er innerhalb der Lernsituation den Schülern bei weitem nicht. das mindestnotwendige Maß an Rezeptionsanreizen bieten kann, das ihnen schon ein normaler Bummel in der Geschäftsgroßstadt bietet. Das Resultat ist, daß die Schüler sich beim Lernen sterblich langweilen und das bißchen zu Lernende in der Unterbestimmtheit ihres Verhaltens und der Motivation untergeht. Themen keine Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inKunstforum International im AbschnittDie Zeiterfahrung der Angst Angst ist, anders als die unbegründete Furcht, ein kulturevolutionär entwickelter Kontrollmechanismus, um Risiken zu vermeiden. Es gibt auch Angstpaniken, die aber nicht so leistungsfähig sind. Eine Angst oder Furcht, die auftritt, um ein zu großes Risiko nicht eingehen zu lassen, ist eine begründete und absolut positive Erfahrung. Hypochonder, die pausenlos um ihre Gesundheit bangen, leben besonders lange, weil sie gar keine Risiken eingehen. Folglich kann die Zeiterfahrung unter dem Druck der Angst außerordentlich produktiv sein. Umgekehrt kann Zukunftsantizipation unter dem Eindruck naiver Bedenkenlosigkeit oder eines gewissen Optimismus außerordentlich gefährlich sein. Auf diese von der Anthropologie her beschreibbare Bewertung der Evolution kommt es an und nicht auf den platten, allseits propagierten Hoppsa-jetzt-kommen-wir-Positivismus, der behauptet, Angst sei für zupackendes Handeln schädlich. Diese Position ist ganz falsch. Menschen, die Risiken vernünftig kalkulieren, tun das immer unter der Annahme, etwas könnte schief laufen, was natürlich scheinbar Angst macht. Umgekehrt richten Hauruck-Draufschläger, also die Vabanquespieler in der Geschichte, immer die größten Desaster an. Themen ScheiternAngst Martin Kohlhaas1 Hans-Jürgen Siegmund
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inKunstforum International im AbschnittModern ist’s, wenn man es trotzdem macht Veränderte Kommunikationsformen, zum Beispiel die Angewohnheit, Weekend-Urlaub zu verbringen, wirken auf das Netzwerk der Straßen zurück. Für Weekend-Urlaub bedarf es der hinderungsfreien Straßen zum Schnellfahren, sonst lohnt sich der Reisezeitaufwand nicht. Also mußten zum Beispiel Fahrverbote für Lastwagen erlassen werden. Das ist ein Vorgang des Sozio-Designs. Aber die Menschen davon zu überzeugen, daß die Wochenendraserei sinnloser Kraftverschleiß ist und zudem extrem gefährlich und daß man sich deshalb am Wochenende lieber auf die eigenen Füße stellen oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen sollte, das ist ein Prozeß des Kommunikationsdesigns. Themen Sozio-DesignKommunikationsdesign Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inÄsthetik gegen erzwungene Unmittelbarkeit, 1986 im AbschnittVom Bauhauskonzept zum Kommunikationsdesign Die Tendenz ist klar: Von ihrer Funktion her verkleinern sich die Apparate und Geräte, die Maschinen und die Speicher in so extremer Weise, daß eine Gestaltungsabsicht im Sinne des herkömmlichen Design an ihnen keinen Ansatzpunkt mehr zu finden vermag (außer in der sinnlosen Umhüllung mit einem leeren Kasten). Die Gestaltung wird sich im Sinne der Maxime, daß die Geschichte der angewandten Kunst eine Geschichte der Lebensformen ist, heute als Kommunikationsdesign verstehen müssen. Themen Kommunikationsdesign Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inKunstforum International im AbschnittModern ist’s, wenn man es trotzdem macht die Absicht des Kommunikationsdesigners war und ist eine andere: über das Training von Imagination und Reflexivität die Bereitschaft der Menschen zu erhöhen, das sie bestimmende soziale Beziehungsgefüge in einer für notwendig erachteten Weise zu verändern. Derartige Wirkungsabsichten bestehen für das Kommunikationsdesign wie für die angewandte Kunst Themen Kommunikationsdesign Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inÄsthetik gegen erzwungene Unmittelbarkeit, 1986 im AbschnittVom Bauhauskonzept zum Kommunikationsdesign Das ›Kommunikationsdesign‹ wird in einer entsprechenden totalen Kommunikationsgesellschaft statt eines ›fishing for compliments‹ ein ›fishing for complications‹ zu sein haben. Thematisierung ist immer nur als Problematisierung möglich. Themen Complications Andrea Kuehbacher Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inLustmarsch durchs Theoriegelände, 2008 im AbschnittPathos AZ - Opferolympiaden Gegenwärtig scheint sich individuelles wie soziales Pathos aus dem Wettbewerb um die tragischsten Opferrollen zu ergeben. Der gewünschten Viktimisierung entspricht eine gleichzeitig beobachtbare durchgehende Infantilisierung der Gesellschaft durch lustvolle Identifikation mit schuldunfähigen Kindern in Konsumparadiesen. Der Weigerung, erwachsen zu werden, also Verantwortung zu übernehmen, ließe sich entgegentreten, indem man übt, sich mit den Tätern zu identifizieren. „Niemals wieder Opfer sein“, das ist tatsächlich AZ, der Andere Zustand der Autonomie Themen Der andere Zustand: aZ Andrea Kuehbacher Hans-Jürgen Siegmund