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Die nächsten Termine

„Kunst ≠ Kultur – Soll die Documenta überleben?“

Streitgespräch mit Wolfgang Ullrich und Bazon Brock
27.05.24, 19 Uhr

EAM Collection
Sybelstr. 62, 5. OG, Vorderhaus
10629 Berlin

Seit die Oberklassen des Kaiser-Karl-Gymnasiums in Itzehoe 1954 ff. mit Numsenbussen nach Berlin-Köpenick gefahren wurden, um dort mit FDJ-Intellektuellen zu disputieren und auf dem Rückweg vor der Parterrewohnung Gottfried Benns in der Bozener Straße 20 andächtig zu verweilen, insistierte der stets als vorlaut mit dem Namen Bazon stigmatisierte Jürgen Johannes Hermann Brock auf dem wichtigsten Beitrag Benns zur Kunst- wie zur Kulturgeschichte Deutschlands. Wahrscheinlich hat kein weiterer Zeitgenosse wie Bazon stets Benns Grundunterscheidung von Kunstträgern und Kulturträgern in die Dispute einzubringen versucht.

Wenn Benn mit seiner radikalen Entgegensetzung von Kunst und Kultur kein Gehör fand, ist es kaum verwunderlich, dass auch Bazon mit der penetranten Verpflichtung auf die unüberbrückbare Differenz von Kunst und Kultur nicht in der Öffentlichkeit durchdrang – bis zum Sommer des jüngsten documenta-Desasters. Auf die höchste Klickrate aller Zeiten für einen Kultur heute-Beitrag des Deutschlandsfunks reagierten selbst etablierte Künstler wie Baselitz mit dem enthusiastischen Lob, endlich habe da einer die künstlerische Arbeit von Individuen gegen die kulturelle Autorität der Kulturkollektive (vornehmlich als Geldgeber) zu verteidigen gewusst.

Aber leider hat die Wirkung schnell nachgelassen, wie die Tatsache beweist, dass gegenwärtig für die Diskussion weltbewegender kriegerischer wie kapitalistischer Kulturkämpfe von der Ukraine über den Nahen Osten bis nach Taiwan niemand (!!!) irgendein Argument aus dem Bereich der Künste in Anschlag gebracht hat. Also ist für die längst fundamentalistisch-totalitär gewordenen Kulturen selbstverständlich, dass die Künste – vornehmlich die Individualleistungen von Künstlern – jenseits des Kulissengeschiebes in der Eventkultur vollständig bedeutungslos sind.

Diesen Sachverhalt kennzeichnet aber nicht das seit Hegel sprichwörtliche Ende der Kunst im generellen Verständnis – was dann? Das wird Ihnen immer wieder Bazon Brock klarzumachen versuchen. Das nächste Mal am 27. Mai in der EAM Collection.

Wolfgang Ullrich wird sich gekonnt der Widerlegung der Brock'schen These annehmen.

Bitte anmelden unter info@eam-collection.de

U-Bahn: Adenauerplatz
Aufzug bis zum 4. OG, nicht barrierefrei

Unkostenbeitrag: 15 Euro
Barzahlung ist aus technischen Gründen nicht möglich.
Informationen zur Zahlung unter www.eam-collection.de/events/

Denkerei mobil: Die Kunst des Lebens, die Kunst des Sterbens

Buchvorstellung mit Bazon Brock, Lorenz Jäger und Sebastian Ostritsch
6.06.24, 19 Uhr

Lapidarium
Hallesches Ufer 78
10963 Berlin

Sprachzauber ohne Erkenntnis bleibt schal – Begriffsarbeit ohne Wortmagie bleibt stumpf

Es trifft sich wie selten, dass sich gleichzeitig philosophisch-systematisch und poetisch-fallweise zwei erstrangige Autoren der Orientierung auf „Zeit und Ewigkeit“ widmen. Seit 2500 Jahren wird dazu publiziert. Da möchte man endlich eine „kritische Würdigung“ der Gesamtdiskussion geboten bekommen. Das getan zu haben, verspricht Ostritsch. Lässt man sich aber drei Tage lang empfängnisbereit auf seine systematische Erörterung der Konzepte Zeit und Ewigkeit ein, entwickelt man eine unüberbrückbare Sehnsucht nach poetisch blühender Wortmagie der Literaten, die sich dem Thema noch zahlreicher als alle Philosophen und Theologen gewidmet haben.

Diese Sehnsucht verspricht Lorenz Jäger zu erfüllen. Man genießt die ungeheure poetische Kraft seiner Literaturexkurse, um sich dann aber vor Begeisterung völlig erschöpft zu fragen, ob man diesen Erkenntnis- und Erfahrungsaufwand nicht doch verbindlicher durch eine kurze systematische Bearbeitung ersetzen könnte: vor allem, um Gesprächspartnern verständlich machen zu können, welchen Gewinn sie selbst aus der Hingabe an die Geist- und Geisterbeschwörung zeitigen könnten.

Wir laden Sie herzlich dazu ein, am 6. Juni im Disput der beiden für sich zu klären, welchen Zugang zu menschheitlichen Grundthematiken Sie bevorzugen:

Lorenz Jäger: Die Kunst des Lebens, die Kunst des Sterbens. Rowohlt 2024
Sebastian Ostritsch: Ewigkeit und das Leiden an der Zeit. Editiones scholasticae 2023

Eine Veranstaltung der Denkerei mobil und der Boros Foundation.

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Telefon (030) 61671001
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