Vortrag / Rede Metabolismus: Stoffwechsel im Werk Feuerstein
Die grundsätzliche Einheit von Organismus und Umwelt
Die grundsätzliche Einheit von Organismus und Umwelt
An sieben Abenden wird Bazon Brock mit Partnern und Partnerinnen im Wiener Aktionismusmuseum die Geschichte des aktionistischen Pathos seit dem 7. Jahrhundert in Erinnerung rufen.
Werk ist abgelegtes Werkzeug. Die Kunst hingegen im Kopf …
Feuerstein – ein aufgeklärter Künstler
Das Wiener Aktionismusmuseum (eben nicht bloß Museum des Wiener Aktionismus) präsentiert gegenwärtig zahlreiche Arbeitsresultate vom Zeitgenossen Thomas Feuerstein. In dankenswerter Klarheit werden die Exponate nicht als Kunstwerke beraunt und bestaunt, sondern als die Werkzeuge jener Erkenntnisarbeit, der sich Feuerstein, wie weltweit hunderte von Wissenschaftlern, widmet.
Ebenso wenig, wie man den Arbeitstisch von Lise Meitner, Otto Hahn und Fritz Straßmann als Werk der Wissenschaftler ausgeben könnte, lassen sich auch nicht analog die Werkzeuge Feuersteins als Kunstwerke präsentieren. Im Unterschied zum Arbeitstisch der Physiker im deutschen Museum München präsentiert Feuerstein sein Werkzeug in Funktionszusammenhängen, die jeweils durch eine Aufgabenstellung oder experimentelle Anordnung wahrzunehmen ist.
Bemerkenswert: Im Bereich der Wissenschaft hat man längst gelernt und akzeptiert, dass die erzielten wissenschaftlichen Erkenntnisse intellektuell repräsentiert werden müssen, wozu experimentelle Anordnung zur Überprüfung von Hypothesen und der Entwicklungsgang der Erkenntnisarbeit hilfreich sind. Im Bereich der Kunst, sogar der nach Duchamps Intervention entstandenen, behauptet man immer noch, dass Kunst als Resultat der Arbeit von Künstlern im Werk zu repräsentieren sei und nicht bloß in der gedanklichen Aneignung. Arbeit der Künstler und Wirkung ihrer Werke werden immer noch in Eins gesetzt, wie im Kinderspiel oder wie in der primitiven Nutzung von Amuletten und Talismanen. Es ist nun wirklich an der Zeit, den Aberglauben an Werke als Kunstwerke aufzugeben. Das ist ja in keinem Falle eine Herabwürdigung der Werke, sondern geradezu therapeutischer Schutz vor Dämonisierung und Missbrauch der Arbeitsresultate von Künstlern als Statthaltern des Schöpfermythos in gottloser Zeit. Seit 600 Jahren versucht man im christlichen Europa die menschliche Arbeit aus der Imitatio Dei, der bloßen Nachahmung des Gottes als Weltenschöpfer, aufzuheben und stattdessen die Imitatio Christi anzustreben, also das überlebensförderliche Arbeiten zur Bewältigung des Alltagslebens von Jedermann. Noch bemerkenswerter ist es, dass ausgerechnet die solchen sozialen Intentionen verpflichteten Menschenversammlungen besonders dazu neigen, sich der pathetischen Beschwörung der Kunstwerke - wenn nicht der toten Götter, so doch der Sehnsucht nach ihnen - hinzugeben. Wann endlich werden sie akzeptieren, dass die Kunst nicht an der Wand hängt und Wissenschaft nicht im schamanistischen Erkenntnisgebrauch gewürdigt werden kann? Museen der menschlichen Arbeitsresultate sind nicht Ersatzkirchen des Glaubens an die Weltrettung durch Kunst und Wissenschaft.
zentrale Akteure: Thomas Feuerstein, Bazon Brock
Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.
Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.
Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:
Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.
Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.
Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.
Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.