Buch Lustmarsch durchs Theoriegelände

– Musealisiert Euch!

Lustmarsch durchs Theoriegelände, Bild: Buchumschlag. Gestaltung: Gertrud Nolte.. + 4 Bilder
Lustmarsch durchs Theoriegelände; Bild: Buchumschlag. Gestaltung: Gertrud Nolte.

Gestaltung: botschaft prof. gertrud nolte

Das Buch ist mit einem Plakat-Umschlag in den Maßen 58 cm x 79 cm eingeschlagen.

Erschienen
10.10.2008

Autor
Brock, Bazon

Verlag
DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

Erscheinungsort
Köln, Deutschland

ISBN
978383219024-8

Umfang
434

Abschnitt, beginnend auf Seite 165 im Original

I.5 Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode!

Text

Heute äußert sich der Fundamentalismus vor allem im allgemein spürbaren Zwang, eine kulturelle Identität auszuweisen. Sein Name ist Multikultur, was ja nicht bedeuten kann, daß jeder beliebig viele kulturelle Identitäten besitzt, sondern daß sich gefälligst jedermann auf die ihm zukommende, weil ihm zugeschriebene Identität zu fixieren hat und die Vielzahl der Identitäten zur Einheit in der Vielzahl kommt. Wem das als Tautologie erscheint, hat völlig recht. Denn multi heißt Vielzahl und Multikultur eben die Kultur der Vielzahl. Die Beschwörer multikultureller Elitenbildung lassen sich nicht davon irritieren, daß sie eine Vielzahl als Einheit ausgeben. Wie vernünftig war das amerikanische Aufklärermotto „e pluribus unum“, also aus der Vielheit eine Einheit zu bilden. Die heutige Europa-Elite verordnet das Motto „In der Vielheit liegt die Einheit“; schöner kann man Sinnentleertes nicht sagen. Wer dagegen aufzumucken wagt, wird zur ersten Bürgerpflicht ermahnt, nämlich zur Toleranz im Ertragen von Wahnsinn; denn „ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode“.

Ich empfehle zur Einübung in das Toleranzgebot Gerhard Polts phantastische Aufklärung über den Begriff Toleranz. Polt geht von der zutreffenden Annahme aus, daß Toleranz tatsächlich im Zuge hochnotpeinlicher Befragungen von Abweichungsverdächtigen während der Inquisition eingefordert wurde: „Nun seien Sie doch einmal ein bißchen toleranter und jammern Sie nicht bei jedem kleinen Schmerz.“ Denn tolerare heißt im Lateinischen etwas ertragen können. Also fordert der Folterknecht von seinem Opfer, toleranter zu sein gegenüber den ihm bisher zugefügten Qualen, denn es seien noch sehr viel stärkere zu erwarten. Die Abwehr von Einwänden gegen die Haltlosigkeit des Begriffs Multikultur gipfelt in der scheinbar coolen Gegenfrage:

„Worüber beschwert ihr euch? Wartet nur ab, was noch auf Euch zukommt! Da braucht ihr erst wirkliche Toleranz!“

Textverwandtschaften

1957 1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026

Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine LandschaftZu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der GesellschaftGesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot abEr wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politikart and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.