Buch Lustmarsch durchs Theoriegelände
– Musealisiert Euch!
+ 4 Bilder
Gestaltung: botschaft prof. gertrud nolte
Das Buch ist mit einem Plakat-Umschlag in den Maßen 58 cm x 79 cm eingeschlagen.
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Abschnitt, beginnend auf Seite 64 im Original — direkt zum Text
Die bekannteste Erzwingungsstrategie des Absoluten heißt: Wir wollen Gott und damit basta. Weltweit hat man inzwischen verstanden, was dieser Fanatismus der Gottsucherbanden anrichten kann. Dabei fühlen sich die Gottsucherbanden durch ihre Kulturen und Religionen legitimiert, Prophetien und Programme wortwörtlich zu nehmen. Dagegen wurde die Aufklärung über Dogmatiken und Wahrheitsradikalität entwickelt, die wir als Zivilisierung der Kulturen zuerst gegen unseren eigenen Anspruch auf exklusive kulturelle Identität vorantreiben müssen. Der Schweizer Oberstdivisionär Bachmann bekundete 1998 öffentlich auf der Tagung „Kultur und Strategie, Kunst und Krieg“, daß Bazon Brock mit dem „Theorem des verbotenen Ernstfalls“ alle zukünftigen Verteidigungsstrategien formuliert habe, die als erste die Schweizer anwandten. Schon heute gilt die Null-Tote-Doktrin in westlichen Armeen.
Die Schweizer haben im 20. Jahrhundert ein großartiges Beispiel für das „Theorem des verbotenen Ernstfalls“ geliefert. Angesichts der Bedrohung durch den Herrschaftswillen Adolf Hitlers und seiner Panzerverbände, des militärischen Instruments zur Durchsetzung des deutschen Vormachtstrebens, fragten sie sich, wie sie ihre Selbständigkeit erhalten könnten. Die Antwort gab der Schweizer Oberst Henri Guisan, der zwei grandiose Analogien in Dienst zu stellen vorschlug. Zum einen sollten in Analogie zum Schweizer Käse die Berge durchlöchert werden, damit sich Armee und Bevölkerung bei Gefahr in die Aushöhlungen zurückziehen konnten; zweitens sollten in Analogie zum bekanntesten Schweizer Schokoladeriegel Panzersperren gebaut werden. Mit Toblerone-Riegeln aus Zement ließen sich alle Zugänge von den Ebenen in die Berge sperren. Die Militärs erkannten im Bemühen um höchste Effizienz, daß Toblerone-Schokolade als eiserne, letzte Reserve der Ernährung und damit der Selbsterhaltung verwendbar ist, da deren Inhaltsstoffe durchaus geeignet sind, Menschen über lange Zeiträume ausschließlich mit diesem Nahrungsmittel am Leben zu halten. Die Schweizer verfügten auch über eine Tradition der Vermittlung von universalem Gestaltungsmodernismus und Patriotismus. Erinnert sei an die 1918 von Karl Moser für die Stadt Basel entworfene Antoniuskirche, die das Prinzip technischer Rationalität bei der Planung militärischer Behausung (Bunkerbau) mit der spirituellen Begründung christlicher Kultbauten verband. So wurden der Bunker als Schutzraum im Trommelfeuer der Waffen und die Stahlbetonkirche als Schutzraum gegen die Versuchung des Geistes durch Machtwahn zu einer Einheit. Eine solche realisiert Christian Boros in Berlin mit seinem Kunstbunker: Unten Kriegsikone (Bunker) – oben Modernitätsikone (Barcelona-Pavillon).
Junge Schweizer waren Feuer und Flamme für diese Verknüpfung von Beton und Geist, der für Architekten nur als Form ansprechbar ist. Einer ihrer hoffnungsvollen Repräsentanten war der junge Max Bill. Er diente in den Kräften der Schweizer Selbstverteidigung. Als abstrakt ungegenständlicher Maler erregte er das Interesse seiner Vorgesetzten, die, wie die meisten Bürger, meinten, derartiges Gepinsele stelle nicht etwas Konkretes dar, sondern verhülle wohl eher in undefinierbarem Form-Farbgemenge, was hinter ihnen steckt – also eine perfekte Camouflage. So lag der Gedanke nahe, die jungen Abstrakten nach dem Beispiel von Bill zur Bemalung von Verteidigungseinrichtungen einzusetzen. Bis heute haben Reste dieser Übermalungsaktion als Tarnung überlebt und die Abstrakten machten Karriere als Kleider-, Wand- und Möbelbezugsstoffgestalter. Seit diesem Nachweis militärischer Nützlichkeit von moderner Kunst war man in der Schweiz sogar bereit, Kunstwerke zur Kreditsicherung anzunehmen. Ein schöner Triumph der Modernisten, allerdings um die Wahrheit erkauft, daß ungegenständlich abstraktes Malen in die Geschichte des Dekors und des Ornaments gehört und nicht als Ausdruck des Ringens von Künstlerseelen um existentielle Letztbegründungen gilt.
Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.
Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.
Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:
Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.
Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.
Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.
Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.