Buch Lock-Buch Bazon Brock, gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken

Lock-Buch Bazon Brock, gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken, Bild: Titelseite. Gestaltung: Gertrud Nolte.. + 3 Bilder
Lock-Buch Bazon Brock, gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken; Bild: Titelseite. Gestaltung: Gertrud Nolte.

Baustelle. Den Plan des Baus, der nie fertig wird, nennt man Biographie. Inzwischen ist jedermann biographiepflichtig – Selbst bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz hat man vorzulegen, auf welchen Plan des Lebens man sich verpflichtet. Man entwickelt seine Biographie mit Blick auf die Zukunft, auf die Erwartungen hin, die man bei anderen zu wecken versucht. Man nährt diese Erwartungen aufs Kommende durch Hinweise aufs Gewesene, auf die eigenen Werke und Tage.

Aus dem Logbuch wird so ein „Lockbuch“.

Das LOCKBUCH BAZON BROCK schließt einen Lese-Zirkel zwischen Brocks Arbeit als auffälliger Zeitgenosse, als Akteur der Kulturszene seit Ende der 5oer Jahre und den Fragen, die er provoziert. Wie er wurde, was er ist: weder Wissenschaftler noch Künstler, weder Lehrer noch Lenker - eben ein typischer Navigator zwischen schöpferischer Kulturbarbarei und der Ästhetik des Unterlassens.

Lock Buch Bazon Brock.

Präsentiert in Bilderbögen und Textpfeilen
von Helmut Bien, Gertrud Nolte, Anna Steins und Fabian Steinhauer

Erschienen
1999

Autor
Brock, Bazon | Steinhauer, Fabian

Verlag
DuMont

Erscheinungsort
Köln, Deutschland

ISBN
3-7701-5436-3

Umfang
240 Seiten mit etwa 200 Abbildungen, 21*29,7cm

Einband
kartoniert

Standpunkte

Text

Bekennen wir uns ruhig zu unserer Besserwisserei und Arroganz der Aufgeklärten; möge unser entlastendes Lachen eher verzweifelt klingen als zynisch.

Aus: Metropole gegen Metropolis? Urbanität als Postulat. In: Die Re-Dekade. Kunst und Kultur der 80er Jahre. München 1990. 

Urbanität lässt sich nicht planen

Wann immer Mächtige mächtig waren, ihre Planungen im Verhältnis 1:1 vom Reißbrett in die Urbs zu übertragen, kamen dabei nur „Idealstädte“ heraus, deren „Urbanität“ der von Lagern, Kasernen und Ghettos glich: Fazit: selbst wenn wir über eine Polizei radikaler semantischer Überwachung – wenn wir über charismatisch mitreißende oder machttechnisch omnipotente Verwirklichungsstrategen genialischer Planungen verfügten, wäre durch deren Wirken Urbanität nicht zu erzwingen. 

Füllfederhalter

Zwischen Achselstern und Oberamtätowierung die Ordensspange des Intellektuellen Bazon Brock.

Kulturkritik

Wer nur meint, hier stemme ein typisch deutscher Kulturkritiker leichtsinnig sein mageres Schreiberärmchen in die Windmühlenflügel des Zeitgeistes, um die Verschrottungs-, die Verwertungsmasche anzuhalten, der irrt bezeichnenderweise! Die scheinbar radikalen Schmähungen der 80er Jahre kommen aus Amerika.

Aus: Die Re-Dekade und ihre Tätertypen. In: Re-Dekade. Kunst und Kultur der 80er Jahre. München 1990.

Daß heute Alltagsmenschen zumindest im gleichen Maße ihre Individualität betonen wie zuvor klassische Tätertypen (Feldherrn, Staatenlenker, Unternehmer, Wissenschaftler und Künstler), entspringt nicht anmaßlicher Refeudalisierung der Gesellschaft, also der Behauptung: was früher den Fürstlichkeiten vorbehalten gewesen, stehe jetzt als Recht persönlicher Willkür jedermann zu.

Aus: Einleitung zum Katalog: Die Macht des Alters. Köln 1998.

Der Körper ist ein Markenzeichen. Er kennt seine Wirkung und setzt sie ein. Öffentlichkeit bereitet ihm Lust. Unmöglich, sich den Körper ohne Stimme vorzustellen. Er führt vor Augen, was Rede ist. Dazu sucht er nach Gesten im großen und im kleinen; sie sind das Resultat seines Denkens. Zum Kapital des Körpers gehört seine gepflegte Eleganz. Seine Haltung gebietet Distanz, seine Kleidung verlangt Respekt. Ohne Krawatte zeigt er sich selten. Gerne hält sich der Körper bedeckt. Sollte Unruhe in ihm brennen, so verrät er sie nicht. Er weiß, daß er beobachtet wird. Der Körper ist ein alter Hase und ein schlauer Fuchs. Autorität scheint ihm angeboren. Unterweisung ist seine zweite Natur. Nie verliert er den Kontakt mit denen, an die er sich wendet. Er lächelt selten. Denn die Botschaft eines Körpers ist Mission und erträgt keinen Spaß. Selbst das Anekdotische gerät ihm zur kontrollierten Form. Sinnlichkeit rührt ihn. Peinlichkeiten vermögen ihn zu amüsieren. Die Gebete des Körpers sind seine Posen. Er ist Teil seiner Inszenierung und spielt die Hauptrolle. Unter jeder Maske bleibt er derselbe. Zuweilen braucht er Mitspieler, zuweilen Opfer. Zum Körper gehören zwei ausdrucksvolle Hände; sie schreiben und deuten und heilen. Vermittlung ist dem Körper Auftrag und Erfüllung. Immer steht er dazwischen. Er hat schon viel erlitten – der Körper ist sterblich und empfindlich. Seine Erzählungen wandern. Wir lieben den Körper und das, was er verkörpert.

Aus: Der Körper des Kunstbetrachters. Ein Videokatalog. Documenta 9, 1992.

Medien

TV-Still, Besserwisserei
Studentische Inszenierung mit Bazon Brock, Uni Wuppertal, 1985, Bild: Elektrus.
TV-Still, ca. 1990
Gespräch mit den Toten: Heraklit
Gespräch mit den Toten: Anna Amalia von Sachsen-Weimar
Besucherschule zur documenta 9, Bild: Kassel 1992.
Exkursion Florenz, 1975
Exkursion Florenz, 1975
Bazon Brocks Füller – die Ordensspange des Intellektuellen
Bonner Erscheinungsschwäche, Bild: Architekturmodell.
Rückblick am selben Ort auf sich selbst, 1975
Rückblick am selben Ort auf sich selbst, 1995
Besucherschule, Bild: 80er Jahre.
Attitüdenpassepartout „Eignungstest für Kreuzhängung“, Bild: Hochschule für bildende Kunst, Wien, 1977.
Behälterwissenschaftler als Direktor ohne Dinge. Mülltheorie als Zusammenhang der Dinge ohne Direktor, Bild: Mülltheorie der Gestaltung, Kassel 1980.
Behälterwissenschaftler als Direktor ohne Dinge. Mülltheorie als Zusammenhang der Dinge ohne Direktor, Bild: Mülltheorie der Gestaltung, Kassel 1980.
Attitüdenpassepartout, Eignungstest für Kreuzhängung, Bild: [Beispielnehmen: Diätetik; Erkennenkönnen - Zoographos; Beispielgeben: Glaubensfähigkeit], Wien 1977.
Metaphorisierung, Bild: Bild mit Handschuhen, 70er Jahre.
Besucherschule zur Ausstellung „Skulptur im 20. Jahrhundert“, Bild: Wenkenpark, Riehen b. Basel, 10./11.05.1980.
Besucherschule zur Ausstellung „Skulptur im 20. Jahrhundert“, Bild: Wenkenpark, Riehen b. Basel, 10./11.05.1980.
Besucherschule zur Ausstellung „Skulptur im 20. Jahrhundert“, Bild: Wenkenpark, Riehen b. Basel, 10./11.05.1980.
"Solange ich hier bin stirbt keiner", Theater der Position - eine dramatisierte Illustrierte, Bild: Frankfurt, Experimenta 1, 1966.
Besucherschule zur Ausstellung „Skulptur im 20. Jahrhundert“, Bild: Wenkenpark, Riehen b. Basel, 10./11.05.1980.
Denk-mal-nach-Denkmal, Bild: Gesamthochschule Kassel, 1975.
"Sich zeigen als ...", 1963, Bild: .
"Sich zeigen als ...", 1963, Bild: .
"Sich zeigen als ...", 1963, Bild: .
Video-Stills aus div. Fernseh- und Video-Produktionen von und mit Bazon Brock, Bild: (1972-1992).
Video-Stills aus div. Fernseh- und Video-Produktionen von und mit Bazon Brock, Bild: (1972-1992).
Video-Stills aus div. Fernseh- und Video-Produktionen von und mit Bazon Brock, Bild: (1972-1992).
Video-Stills aus div. Fernseh- und Video-Produktionen von und mit Bazon Brock, Bild: (1972-1992).
Video-Stills aus div. Fernseh- und Video-Produktionen von und mit Bazon Brock, Bild: (1972-1992).
Video-Stills aus div. Fernseh- und Video-Produktionen von und mit Bazon Brock, Bild: (1972-1992).
Video-Stills aus div. Fernseh- und Video-Produktionen von und mit Bazon Brock, Bild: (1972-1992).
"Biographiedesign, Ulrich Löchter, Bitte zur Anprobe"
"Biographiedesign, Ulrich Löchter, Bitte zur Anprobe", Bild: Napoleon.
"Biographiedesign, Ulrich Löchter, Bitte zur Anprobe", Bild: Goethe.
"Biographiedesign, Ulrich Löchter, Bitte zur Anprobe", Bild: Barbar unter Barbaren.
"Biographiedesign, Ulrich Löchter, Bitte zur Anprobe", Bild: Menschenbildner.
"Biographiedesign, Ulrich Löchter, Bitte zur Anprobe", Bild: Marx.
Autosuggestiver Künstler, Aktion und Plakat „Mein Gott, was ist los?“, Bild: Aktion in Frankfurt (Bockenheim) 31.3.1964 und Galerie Sydow im gleichen Jahr. © Hartmut Rekort.
Sogar Lieben noch ist Arbeit. Für die Kunst hat der Spaß längst aufgehört., Bild: Aktion mit Joseph Beuys. Düsseldorfer Kunstakademie 1967 © Ute Klophaus.
"Bergische Blätter" 17/1996, Bild: zum 60. Geburtstag von Bazon brock, 02.06.1996.
Ernstfall "Bergische Blätter" 17/1996, Bild: zum 60sten Geburtstag, 02.06.1996.
Krawatte von Bazon Brock, Bild: Zahlen.
Internetseite Uni Wuppertal, Bild: Jürgen Brock.
Internetseite Uni Wuppertal, Bild: Jürgen Brock Text unten.
Krawatte von Bazon Brock, Bild: Keiner hilft keinem.
Trauer der Vollendung: Wir geben das Leben dem Kosmos zurück, Wuppertal 1991, Bild: © Rainer Fülling.

siehe auch:

Textverwandtschaften

1957 1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026

Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine LandschaftZu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der GesellschaftGesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot abEr wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politikart and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.