Runter damit! Kulturtheoretiker Bazon Brock über Ikonoklasmus
Moderation: Michael Köhler
Text
„Bilder, Denkmäler, Texte – das alles seien Stellvertreter von Allmachtsfantasien, so der Kulturtheoretiker Bazon Brock. Das zentrale Motiv des gegenwärtigen Ikonoklasmus, der Denkmalstürze, Bilderstürme und Umbenennungen sei der Kampf gegen eine jahrhundertealte Sichtweise. „Gegen den Gedanken, dass ich ja nur in Abhängigkeit vom anderen Menschen etwas bin.“ Brock vermutet allerdings bei einigen Bilderstürmern eine zu große Unkenntnis der geschichtlichen Entwicklungen. „Und weil sie sie nicht kennen, versuchen sie sie mit einer totalen Verdammnis zu überziehen, um damit gerechtfertigt zu sein in ihrer Aggressivität, in ihrem Ikonoklasmus.“
Der Anlass für Zivilisierung war die Vermeidung von Kampf
In der Geschichte der Menschheit haben sich Überlebenskampfgemeinschaften entwickelt, um zusammen den Bedingungen des Umfeldes zu trotzen. Diese Gemeinschaften seien immer wieder aneinander gestoßen mit ihrer jeweiligen Kultur, um festzustellen, wer überlebe. „Dabei riskieren sie sich selbst und das ist eigentlich der Anlass für die Zivilisierung.“ Man habe gelernt, andere Kulturen anzuerkennen, auch um zu bestimmen, wer man selbst sei. „Ich werde nur jemand in der Unterscheidung.“
Anerkennung der Verschiedenheit als einender Rahmen
Neu sei das natürlich nicht und es habe auch schon vor zweitausend Jahren erfolgreiche Lösungsansätze gegeben. Im Römischen Reich kamen sehr viele, sehr unterschiedliche Kulturen zusammen, aber über allem habe es einen großen, einenden Rahmen gegeben: „Das Modell der Anerkennung der Verschiedenheit, Einheit durch anerkannte Verschiedenheit, heißt Zivilisation.“
Medien
Runter damit! Kulturtheoretiker Bazon Brock über Ikonoklasmus
Moderation: Michael Köhler. Sendung: Kultur heute. Sender: DLF, 20.06.2020
Textverwandtschaften
Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.
Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.
Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:
- Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
- Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
- Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
- Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück
Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.
Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.
Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.
Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.