Buch Design

Texte zur Geschichte und Theorie

Design. Texte zur Geschichte und Theorie, Bild: Hrsg. von Gerda Breuer und Petra Eisele. Ditzingen: Reclam, 2018..
Design. Texte zur Geschichte und Theorie; Bild: Hrsg. von Gerda Breuer und Petra Eisele. Ditzingen: Reclam, 2018.

Design ist eine vergleichsweise junge Disziplin. Theoretische Eigenständigkeit erarbeitete sie sich in Abgrenzung von Kunst und Handwerk. Insbesondere der Funktionalismus war seit Anfang des 20. Jahrhunderts prägend: form follows function! Heute hat sich das Feld aufgefächert: Die Leitideen sind nicht mehr nur praktischer Nutzen und Schönheitsvorstellungen, auch Ökologie und Gerechtigkeit, ja sogar die Potentiale von Ironie, Spiel und Witz finden Eingang in die Designtheorie. Sie ist postmodern geworden. Die mit sorgfältigen Einführungen versehene Sammlung bietet, angeordnet nach Themenfeldern, die wichtigsten Texte von John Ruskin bis Richard Sennett.

Reclams Universal-Bibliothek, Bd. 19539

Erschienen
2017

Herausgeber
Breuer, Gerda | Eisele, Petra

Verlag
Reclam

Erscheinungsort
Ditzingen

ISBN
978-3-15-019539-0

Umfang
223 Seiten, 17 Fotografien; 14.8 cm x 9.6 cm

Einband
Broschur

Abschnitt, beginnend auf Seite 205 im Original — direkt zum Text

Mode – ein Lernenvironment zum Problem der Lebensinszenierung und Lebensorganisation

Dazu ein Vorschlag zur Anwendung der Aussagen im Sozio-Design [– Bazon Brock, 1972]

Text

[...] Wer sich nicht damit begnügt, als Lebensbedingung eben das ganze Leben anzunehmen, und demzufolge die Veränderung der sozialen Verhaltensweisen nicht von der prinzipiellen Veränderung des gesamten Lebens abhängig macht, wird bereit sein, auch in Teilbereichen und mit konkreten Zielen die Veränderung der sozialen Verhaltensweisen für möglich zu halten. Solchen konkreten Veränderungen gilt der zweite Hauptteil der IDZ-Untersuchung im Lernenvironment Mode. Die Techniken dieser Veränderung werden als Sozio-Design bestimmt. Das heißt, wenn die materiale Organisation der sozialen Umgebung auf das soziale Verhalten nachgewiesenermaßen einen Einfluß hat, dann läßt sich auch durch die Veränderung der materialen Bestandteile einer Lebensumgebung soziales Verhalten verändern. Die materiale Bestimmung von Bestandteilen einer Lebensumgebung wird allgemein als Gestaltung bezeichnet, als Design. Mit ihr befassen sich seit langem die eben die Designer. Zumeist aber wird solches Gestalten eben nur auf die materialen Bestandteile von Lebensumgebungen ausgerichtet, nicht auf die in der Konsequenz liegende Veränderung des sozialen Verhaltens (mit einer Ausnahme: dem sogenannten funktionsgerechten Gestalten von Gegenständen der sozialen Umgebung Arbeitsplatz). Design wird zum Sozio-Design, wenn das Ziel der Gestaltung materialer Bestandteile einer Lebensumgebung in einer zielausgerichteten Veränderung sozialer Verhaltensweisen liegt. Um aber solche sinnvollen und wünschbaren Ziele, von denen die Verhaltensänderung abhängig ist, auffinden und ihrer Bedeutung nach aufschließen zu können, bedarf das Sozio-Design einer klaren Bestimmung des Verhältnisses von kurz- und langfristigen Orientierungs- und Verhaltensmustern. Die Bestimmung dieses Verhältnisses wird ehestens noch, will man nicht bloß in allgemeinen und deshalb nicht anwendbaren Aussagen stecken bleiben, im konkreten Bezug auf das Problem der Inszenierung oder Organisation von sozialem Leben der einzelnen Menschen oder kleineren Gruppen möglich sein. Aus diesem Grunde müssen Lebensentwürfe sichtbar gemacht und angeboten werden, die den sozialen Lebenssituationen entsprechend jeweils inszenierend oder organisierend verwirklicht werden. Um solche Lebensentwürfe über die allseits bekannten Berufsrollen und Lebensbilder hinaus den einzelnen demonstrieren und anbieten zu können, wird im Verlauf der IDZ-Ausstellung ein Trainingsseminar zur Lebensinszenierung und Lebensorganisation abgehalten, an dem im wesentlichen Designer teilnehmen sollten. Dieses Trainingsseminar wird, soweit die Umstände und Mittel es zulassen, auch mit ihrem konkreten Fall beschäftigten Privatleuten zugänglich sein, die sich unter Anleitung des Trainingsseminars Entwürfe von Lebensinszenierung und Lebensorganisation skizzieren lassen können. Die Zielsetzung der Ausstellung, die am Untersuchungsgegenstand gewonnenen Aussagen in bestimmbare einzelne Lebensplanung einzubeziehen, wird hoffentlich wenigstens für einige Ausstellungsbesucher tatsächlich gelingen. Es ist daran gedacht, im Seminar ausgeschriebene Entwürfe für Lebensinszenierung und -organisation später allgemein zugänglich zu machen.

Brock, Bazon [u. a.]: Mode – ein Lernenvironment zum Problem der Lebensinszenierung und Lebensorganisation. Dazu ein Vorschlag zur Anwendung der Aussagen im Sozio-Design. In: Internationales Designzentrum Berlin e. V. (Hrsg.): Mode – Das inszenierte Leben. Kleidung und Wohnung als Lernenvironment. Berlin: Internationales Design Zentrum, 1972. S. 11 f. [Ausstellungskatalog.] – Mit Genehmigung von Bazon Brock, Wuppertal.

Abb.: Wohnung Ackermann, aus dem Katalog Mode – Das inszenierte Leben, Berlin: Internationales Design-Zentrum, 1972

Medien

Wohnung ACKERMANN, Bild: © Christian Ahlers.

siehe auch:

Textverwandtschaften

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Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine LandschaftZu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der GesellschaftGesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot abEr wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politikart and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.