Abschnitt, beginnend auf Seite 130 im Original
Der Garten als Arche Noah
Text
Gute Gärtner sind Rebellen gegen die Verarmung.
Täglich verschwinden Dutzende von Arten. Pflanzen- und Tiergifte und Manipulationen der Vererbung scheinen zwar der wirtschaftlichen Nützlichkeit zu dienen; da aber Menschen das Zusammenspiel alles Lebendigen nicht durchschauen können, sind die Eingriffe in die Natur nicht mehr gefällige und freudige zweite Schöpfung, sondern leichtfertiges Herumspielen mit der Evolution.
Die Unterscheidung von Kraut und Unkraut, von Schädling und Nützling, von angenehm und ekelhaft, von Duft und Gestank ist nur noch leere Phrase.
Unsere Ästhetik, also die Bewertung von Wahrnehmung des Lebendigen und des Toten, muss sich ändern, denn die Menschen selbst sind ja Bestandteil der Naturevolution und eben nicht ihre Herren. Die angeblichen Herren der Naturbeherrschung haben hoffentlich gelernt, dass selbst die prächtigste „Titanic“ keine Arche Noah sein wird. Im besten Falle werden das die üppig wuchernden Bauerngärten mit Gewimmel und Geschlinge sein, inner- und außerhalb der botanischen und zoologischen Gärten. Dort geht das Herz noch auf und sucht Freude in jeder Jahreszeit oder, wie Paul Gerhardt in einem der bekanntesten Kirchenlieder bekennt:
„Schau an der schönen Gärten Zier,
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben ……
Ach, denk ich, bist du hier so schön
Und läßt du’s uns so lieblich gehn
Auf dieser armen Erden;
Was will doch wohl nach dieser Welt
Dort in dem reichen Himmelszelt
Und güldnen Schlosse werden!“
Das eben ist das Paradies.
Textverwandtschaften
Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.
Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.
Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:
- Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
- Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
- Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
- Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück
Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.
Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.
Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.
Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.