Buch BESUCHERSCHULE d 7

Die Hässlichkeit des Schönen - Spaziergänge Tempelgänge Paradegänge

Besucherschule zur d7, 1982
Besucherschule zur d7, 1982

Fotos: Lothar Koch. Verantw.: Walter Spötter
Besucherschule zur Documenta 7: Die Hässlichkeit des Schönen

  • Spaziergänge durch die Ausstellung – Im Gehen sehen
  • Tempelgänge in der Documenta – Im Sehen verstehen
  • Paradegänge zur d 7 – Im Verstehen weggehen

Erschienen
1981

Autor
Brock, Bazon

Verlag
D+V Paul Dierichs GmbH & Co KG

Erscheinungsort
Kassel, Deutschland

ISBN
3-920453-03-6

Umfang
133 S. : zahlr. Ill. ; 28 cm

Abschnitt, beginnend auf Seite 86 im Original

26 IM SCHNELLGANG

Clemente * Laib * Chia

Text

Der arme Laib, ohnehin schmal und zart, ein Werk nur als Hauch spürbar, muß sich hier behaupten zwischen den vier Plakatwandreißern von Clemente und vor den Vergrößerungen Oldenburgs. Alle Verhältnisse der Größe, der Farbe, der Homogeneität seiner blütenstaubtragenden Fläche scheinen zerstört. Aber so ist das, wenn man etwas unbedingt zeigen will, was erklärtermaßen nicht Objekt zupackender Neugier sein kann. Der Widerspruch haftet ja vielem an, was als Gottesdienst in Zeit oder Natur getan wurde; angeblich ganz allein für den Künstler selber, der nicht mehr die Rolle eines Künstlers spielen will, sondern tut, was ihm verbindlich zu sein scheint. Und beispielhaft für andere soll es auch noch sein. Wie denn? Als Einbruch einer anderen Welt in diese kann es sich nicht behaupten; schon etwas Zugluft fegt es hinweg! Ein ewiges Leuchtfeuer im Tempel wie das ewige Licht am Altar? Welchem Gott wird geopfert, wie wird das Licht verstanden? Will man etwas, was man nicht wollen kann?
Da sind die jüngeren Italiener und Deutschen anders eingestellt. Man tut, was man kann und nicht, was man will. Umstandslos arbeiten sie wie andere, atmen an jedem Ort, zu jeder Zeit; auf Reisen, in Indien zum Beispiel wie Clemente. Wenn das Hotelzimmer keine große Atelierwand bietet, verlegt man einfach das Bildfeld in hantierbare Blätter, bearbeitet sie, offen für jeden Einfluß aus der fremden Umgebung. Um so ein Werk dann den europäischen Gepflogenheiten gemäß präsentieren zu können, klebt man die Blätter auf Stoff, und schon hat sich der Fall. Bloß kein Getue. "Sonne, Mond, Hunger, Erde" haben ihren Ort gefunden. Gerade in Indien wird klar, was einen Europäer schreckt: der Mensch schwitzt, scheißt, frißt, hat Angst und dann geht er ab nach oben oder unten, da ist kein Unterschied. In Indien sieht man dergleichen Bilder auf allen Häusern, Autobussen, Kinoleinwänden. Mach' was draus oder laß es bleiben.
Clemente hat etwas daraus gemacht: Eine Persiflage auf die eigene Ikonographie und den eigenen Stil, unverwechselbar. Der ist das Wichtigste für einen Künstler, der noch will, was er kann.
Aus diesen Bildern steigt die Erinnerung an das Gefühl, das sie uns übertragen, nicht wieder aus. Chias "Malerbildnis", das aussieht, als habe er Boccioni beim Porträtieren des gerade malenden Cezanne zugesehen, und Chias "Frühling" haben Übertragungskraft, daß wir kaum wissen, wie uns geschieht. Empathische Übertragung, die in Körper und Seele des Betrachters Zustände herstellt, die denen des Bildes analog sind. Dann sehen wir gar nicht mehr das fremde Bild, sondern spüren und erkunden die merkwürdige Wandlung, die mit uns selbst vor sich gegangen ist. Das ist Bildkraft.

Textverwandtschaften

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Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine LandschaftZu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der GesellschaftGesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot abEr wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politikart and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.