Buch Victor Otto Stomps als Schriftsteller

Bd. 3: Gedichte & Dramen

Mit einem Vorwort von Bazon Brock

Das Buch ist Teil einer vierbändigen Werkausgabe zu V.O. Stomps (Bd. 1: Prosa; Bd. 2: Romane; Bd. 3: Gedichte & Dramen; Bd. 4: Essays & Portraits)

Verlagstext zur Gesamtausgabe:

„Unter seinen [Stomps] rund 200 nachgelassenen Gedichten sind ebenso Entdeckungen zu machen wie unter den vielen kurzen und längeren Portraits zu Zeitgenossen. Diese bilden, wie auch seine »Fabeln« und Romane, ein Konvolut von eindrucksvollen und aufschlußreichen Zeitdokumenten der 1910er bis 70er Jahre. Seine beiden Romane »Gelechter« und »Babylonische Freiheit« sind gepfefferte Satiren auf die politischen Verhältnisse vor und nach dem Zweiten Weltkrieg und zum »Wirtschaftswunder«. Was er als seine rund 20 »Fabeln« be­zeichnete, sind zumeist burleske Studien, sie entfalten eine nur an der Oberfläche fantastische Welt: vergnügliche Lektüre, bis einem das laute Lachen im Halse stecken bleibt – weil das mit großer Wachheit Erzählte noch heute mehr als vertraut und bis in die feinsten, atmosphärisch lebhaft geschilderten Verhältnisse hinein wiedererkennbar ist. Meister der Satire wie Bohumil Hrabal und Malcolm Bradbury lassen grüßen. Vollends unentdeckt ist der beißend ironische Dramatiker Stomps.

Bei alledem reflektierte Victor Otto Stomps immer wieder, was er auch als Verleger in den Gesprächen mit seinen Autoren und Künstlern in den Mittelpunkt stellte: Die Verbindlichkeit genauer und zugleich experimentierender Sprache einerseits, den unbestechlichen Blick auf die menschlichen Möglichkeiten UND Schwächen andererseits.

Hendrik Liersch, Corvinus-Presse Berlin, sowie Gudrun Dittmeyer, Literatouren e.V. Ober­ursel, und ganz besonders natürlich VauOs Sohn Hans Goswin Stomps haben über die Jahre verdienstvoll bis stur sein verlegerisches und literarisches Vermächtnis lebendig gehalten – mit ihnen und einer Reihe von Partnern werden wir im Jubiläumsjahr 2020 den Autor Victor Otto Stomps hochleben lassen.

Daß dabei mehrere seiner einstigen Autoren-Kollegen und einige vormalige Illustratoren an der Gestaltung und Kommentierung der Bände und Kassette mitwirken, macht diese lange fällige Ausgabe zu einer Art Gesamtkunstwerk Stomps: Bereits zugesagt sind die Gestaltung von Schutzumschlägen durch Horst Antes, Klaus Staeck, Ali Schindehütte und Bernhard Jäger, dazu 4 Vorworte von Christoph Meckel, Bazon Brock, Uve Schmidt und Stefan Müller-Doohm sowie Nachwort-Essays über den Spagat Verleger / Autor von Kollege Hendrik Liersch (Corvinus Presse) und VauOs Sohn Hans Goswin Stomps.

Ein Namensregister, die editorischen Notizen von Stefan Schöttler und mir sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis, das zugleich Gesamt-Inhaltsverzeichnis und eine Konkordanz liefert, runden die Gesamt-Ausgabe ab.“

Erschienen
01.01.2020

Verlag
Axel Dielmann Verlag

Erscheinungsort
Frankfurt am Main, Deutschland

ISBN
978-3-86638-300-5

Seite S. 11-12 im Original

Einsamkeit und Arbeit

Horst Bingel, in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre in Frankfurt / Main ein ausgewachsener Riesenputto des Optimismusses, brachte mich zu V.O. Stomps. Bingel zelebrierte Kennerschaft als Angstfreiheit. Er forderte mich auf, an V.O. Stomps die Macht des Schicksals, die blinde Beliebigkeit zu erkennen, mit der Zeitlauf und Machtgebaren jedermann, jeden Literaten, jeden Künstler, jeden Geistbegabten zu unterwerfen drohten. Und was aus denen werde, die sich, links- oder rechtsfromm, nicht fügen. Und in Stierstadt sehe man, wie hundert Jahre zuvor bei Heine in Paris, was sie zur wahren Karikatur des hohen Bildes entstelle, das europäische und erst recht deutsche Musiker und Literaten, bildende Künstler und Professoren von ihrer Mission glaubten haben zu müssen.

Aber Bayreuth oder Matratzengruft, Wagner-Glorie oder V.O.-Kümmerleben könnte man nicht wählen, das würde zugeteilt: per Los in einer Lotterie, in der man gar nicht gespielt habe oder spielen wolle. Wo hatte V.O. gespielt? Die Gerüchte verwiesen wie bei Benn oder Kuby auf die Armee in Aktion, Näheres wagte ich nicht zu fragen. Das war auch nicht nötig, denn V.O. war souverän in der Kümmernis wie Diogenes in seiner Hundehütte und heiter wie Sokrates in der Schierlingsprozedur. Der vergessene Held als Wächter des Schlachtfelds. Ich ahnte bei ihm, was die uns auferlegte Verpflichtung auf Arbeit und Einsamkeit ohne jeden Anspruch auf Gerechtigkeit und Milde bedeutet. Immerhin konnte ich nach meiner langen Schülerschaft bei Margot und Nico Hansen anregen, Mitte der 60er Jahre in ihrem Verlag in Itzehoe einen Band mit V.O.s lyrischen Sentenzen herauszubringen.