Denkerei: Essayfilm – Sichtbares Denken

Symposium vom 19.-21.10.2018

SANS SOLEIL  | R: Chris Marker, F 1983
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Konzept: Heiner Mühlenbrock unter Mitarbeit von Ralph Eue und Cecilia Valenti

Referenten/Mitwirkende: Nora M. Alter, Kathrin Becker, Bazon Brock, Ben Gibson, Hulda Rós Gudnadóttir, Frédéric Jaeger, Sven Kramer, Michaela Ott, Wilfried Reichart, Anke Sterneborg, Michael Temple, Klaus Theweleit, Martina Zöllner

Philosophie und Abstraktion im Dokumentarfilm hat im 20. Jahrhundert eine filmische Kunstform hervorgebracht: Den Essayfilm. Spätestens seit Chris Markers bahnbrechendem Film SANS SOLEIL versuchen Kritiker und Filmwissenschaftler ein Phänomen zu beschreiben, das mit Hilfe traditioneller Gattungs- und Genregrenzen kaum zu fassen ist.

„In SANS SOLEIL untersucht Chris Marker die Begriffe Wirklichkeit, Beständigkeit und Vergessen in einem Prozess der Selbstfindung. Der Film ist eine Meditation über die Natur menschlicher Erinnerung.
Einige der innovativsten Regisseure haben sich den Begriff des Essayfilms zu eigen gemacht wie Sergei Eisenstein, Hans Richter, Orson Welles, Pier Paolo Pasolini, Johan van der Keucken, Alexander Kluge, Harun Farocki u.v.a. Gemeinsam ist allen diesen Filmemachern, dass sie sich für Fragen der Theorie interessieren.“ (Sven Kramer/Thomas Tode) Die Autoren haben vergessen, Jean Luc Godard zu erwähnen, der bis heute an neuen radikalen Formen des Essayfilms arbeitet.

Der Essayfilm ist eine experimentelle Filmform zwischen Spiel- und Dokumentarfilm, in welcher der Regisseur in betont subjektiver Betrachtungsweise aus den Zwängen herkömmlicher Erzählmuster ausbricht.
Filmessays sind Ausdruck einer Arbeit, die sich erst im Vollzug konstituiert und einer Intelligenz, die versucht, die möglichen Zugänge zu den Bildern nicht zu vereinfachen, sondern zu vervielfachen.
Der Essayfilm ist eine andere Art des Denkens: Denken in oder mit Bildern. Aber weil es sich um Film handelt, ist es ein Denken, das sich in Emotion verwandelt und von dort wieder zurück in einen Gedanken.

Mit dieser Veranstaltung soll der Status Quo des Essayfilms im Rahmen der aktuellen Bilderproduktion in Film und Fernsehen eruiert werden. Die Rückschau auf Klassiker des Genres verbindet sich mit dem Blick auf aktuelle und zukünftige Entwicklungen des Essayfilms.
Gesprächspartner treffen aufeinander, die normalerweise getrennt in ihren Zirkeln diskutieren. Es geht darum Filmemacher, Denker, Philosophen und Kulturkritiker, bis hin zu wichtigen Funktionsträgern des Deutschen Fernsehens ins Gespräch zu bringen.
Der Ehrengast Michael Temple kommt aus London. Dort leitet er das einzige Essayfilm-Festival europaweit.

Eine Veranstaltung von Heiner Mühlenbrock in Kooperation mit der Denkerei und dem fsk Kino.

Weitere Informationen folgen.

So zu leben, wie man liest

Essayismus als Lebensform