Buch 95 Anschläge

Thesen für die Zukunft

95 Anschläge – Thesen für die Zukunft, Bild: Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2017..
95 Anschläge – Thesen für die Zukunft; Bild: Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2017.

Der Thesenanschlag Martin Luthers im Jahr 1517 hat die Welt verändert. Doch was ist heute wichtig? Was sind unsere Überzeugungen? Friederike von Bünau von der EKHN Stiftung (Evangelische Kirche von Hessen und Nassau) und Hauke Hückstädt vom Literaturhaus Frankfurt haben ein anregendes Debattenbuch zu den Glaubens- und Lebensfragen unserer Zeit herausgegeben: 95 Stellvertreter unserer Gesellschaft formulieren jeweils ihren Thesenanschlag für die Zukunft. Die Beiträger kommen aus den Bereichen Politik, Kultur, Wissenschaft und Theologie, sie repräsentieren vielfältige Professionen und mehrere Generationen.

Mit dabei sind unter anderem: Thea Dorn, Edgar Selge, Wolfgang Huber, Caroline Link, Wolfgang Thierse, Arno Geiger, Juli Zeh. Die von ihnen formulierten Thesen für die Zukunft geben einen Überblick über Haltungen, Wagemut, Innerlichkeit und Glaubenssätze der Gegenwart. So entsteht ein Austausch über Werte, Lebensformen, Dissonanzen und Stimmigkeiten in unserer Gesellschaft. Ein ebenso anregendes wie provokatives und unterhaltsames Buch. 

Erschienen
2016

Herausgeber
Hückstädt, Hauke | von Bünau, Friederike

Verlag
S. Fischer

Erscheinungsort
Frankfurt am Main, Deutschland

ISBN
978-3-10-397292-4

Umfang
288 S.

Einband
Festeinband

Abschnitt, beginnend auf Seite 157 im Original

Luther ist der Begründer der Konzeptkunst

Text

Im Zentrum von Luthers Rechtfertigungslehre steht die Behauptung: „sola fide …“, das heißt, nicht durch die Großartigkeit unserer Werke, sondern nur durch die Stärke unseres Glaubens, unserer geistigen Fähigkeiten können wir Gnade, also Anerkennung gewinnen.

Der Abschied von der „Werkfrömmigkeit“ (Luther) trägt die gesamte Kunstavantgarde des 20. Jahrhunderts – nicht nur in der ausdrücklich so firmierenden Konzeptkunst, sondern auch bei den Suprematisten, Dadaisten, action painters, Prozesskünstlern, Happenisten, social workers. Meine daraus entwickelte Summa heißt „Werk ist abgelegtes Werkzeug“; das war selbst für Beuys verbindlich, denn er ordnete an, seine großen plastischen Arbeiten in den Museen als abgelegtes Werkzeug zu behandeln, wie das etwa jeder Kunstinteressierte im Hamburger Bahnhof in Berlin mit der Präsentation der „Straßenbahnhaltestelle“ erfährt.

Luther verweist mit dem Theorem „sola scriptura …“ ausdrücklich auf den Vorrang der Begriffsarbeit, was etwa Arnold Gehlen mit seinem berühmten Wort von der Kommentarbedürftigkeit jeglicher Kunst wiedergab. Kunstwerke sprechen nicht für sich oder von sich aus, sie sind wie alle Formen der Expression von Menschen nur mit Blick auf theologische oder philosophische oder sozialpolitische Codes verstehbar. Auch zeigen die Berichte von Bildbetrachtern über ihre Erlebnisse, Erkenntnisse oder Erfahrungen, dass im wesentlichen Begriffe vermittelbar sind und nicht bloße sinnliche Eindrücke. Also lautet seither die Maxime für alle Modernen als Künstler: Schafft nicht Werke, schafft Probleme, damit wir etwas zu bedenken haben, statt bloß anzubeten, was doch nur Staub mit Farbe darauf ist!

Textverwandtschaften

1957 1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026

Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine LandschaftZu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der GesellschaftGesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot abEr wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politikart and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.