Essenzen zu Bazon Brock Zitate aus der Arbeitsbiographie von Bazon Brock angelegt von seinen Lesern Bazon Brock bazonbrock@bazonbrock.de http://www.bazonbrock.de http://www.bazonbrock.de/feed-essenzen/ 2019-07-15T22:23:10+02:00 Essenz zu »Bewirtschaftung der Gnade – Ökonomie der Gabe: Der heilige Geist in der Finanzwirtschaft« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=858 2019-06-29T23:10:41+02:00 im Werk »WIDERSTEHEN« Die grundsätzliche Annahme, dass Säkularität und Sakralität zwei entgegengesetzte Systeme seien, die es gegeneinander abzugrenzen gelte, übersieht deren wesentliche Gemeinsamkeiten völlig. Luther war nicht der Erste in der Geschichte, der diesen Irrglauben durchschaut hatte, immerhin griff er selbst auf eine breite humanistische Vorarbeit zurück. Diese war in den 1350er Jahren von Petrarca angestoßen worden – verstärkt durch die Exilierung der Konstantinopler Gelehrten nach dem Untergang des Byzantinischen Reichs – und wurde ab 1456 durch Marsilio Ficino wieder aufgegriffen. Diese humanistische Prägung wurde dann bestimmend für Erasmus von Rotterdam und erwies sich schließlich anschlussfähig für die reformatorischen Bewegungen, in deren Zentrum Luther und Melanchthon standen. Die grundlegende Konstante all ihrer Denkansätze blieb die Einheit von Glauben und Wissen als bekenntnis- und erkenntnistheoretische Denknotwendigkeit. Mathias Bergmann Essenz zu »Bekenntnisse zur Ausstellung Beuys Brock Vostell« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=857 2019-06-29T22:32:10+02:00 im Werk »Beuys Brock Vostell« Die Maxime des Kooperationsbundes besagt, dass die Beteiligten glauben, sich in vollem Umfang wechselseitig vertreten zu können. In den englischen Colleges wird das heute noch dadurch geübt, dass die Studenten angehalten werden, die Meinungen und Urteile anderer wiederzugeben, anstatt sich bloß mit ihrer eigenen Meinung in Szene zu setzen. Der Dreiklang »Beuys Brock Vostell« meinte, dass bei jeder Arbeit an einem Thema vor Publikum ein pädagogischer, ein propagandistischer und ein polemischer Aspekt sichtbar werden sollten. Beuys übernahm zumeist die Rolle des Pädagogen, Vostell als ausgebildeter Werbegrafiker hatte die Wirkung von Aussagen (herkömmlich Propaganda genannt) in den Vordergrund zu stellen und ich war für die Polemik zuständig – in der alten Tradition der Rhetorik. Wir wählten diese in Deutschland beargwöhnten Kennzeichnungen ganz bewusst, um gegen die Vereinnahmung der Begriffe durch Wirtschaft, Werbung und Bildungspolitik anzugehen. Die Ablehnungshierarchie der deutschen Öffentlichkeit galt erstrangig jeder Art von Polemik, dann der Propaganda als Ideologiewerkzeug und schließlich der Pädagogik als Besserwisserei von Stubenhockern. Wir bezogen uns auf die Offensiven Lessings, Schillers und Büchners, in denen Leidenschaftlichkeit für Polemik stand, Ausrichtung auf ein Ziel für Propaganda und Fürsorglichkeit im Einsatz für andere als Pädagogik. Mathias Bergmann Essenz zu »Pathos AZ - Opferolympiaden« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=856 2019-06-29T01:28:14+02:00 im Werk »Lustmarsch durchs Theoriegelände« Gegenwärtig scheint sich individuelles wie soziales Pathos aus dem Wettbewerb um die tragischsten Opferrollen zu ergeben. Der gewünschten Viktimisierung entspricht eine gleichzeitig beobachtbare durchgehende Infantilisierung der Gesellschaft durch lustvolle Identifikation mit schuldunfähigen Kindern in Konsumparadiesen. Der Weigerung, erwachsen zu werden, also Verantwortung zu übernehmen, ließe sich entgegentreten, indem man übt, sich mit den Tätern zu identifizieren. „Niemals wieder Opfer sein“, das ist tatsächlich AZ, der Andere Zustand der Autonomie. Mathias Bergmann Essenz zu »Pathos AZ - Opferolympiaden« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=855 2019-06-29T01:23:14+02:00 im Werk »Lustmarsch durchs Theoriegelände« Allein schon das pathetische Sprechen verwandelt das Dasein von einem Zustand in einen anderen. Mathias Bergmann Essenz zu »Pathos AZ - Opferolympiaden« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=854 2019-06-29T01:22:10+02:00 im Werk »Lustmarsch durchs Theoriegelände« Musils Überlegungen münden in eine berühmte Episode mit dem Titel „Atemzüge eines Sommertages“, an der er bis in seine letzten Lebensstunden hinein gearbeitet hat. In diesem Nachlaß-Fragment liegen die Geschwister Ulrich und Agathe im Garten auf Liegestühlen aus Segeltuch, die sie parallel zueinander ausgerichtet haben, und schauen nach oben. Plötzlich sehen sie – obwohl es ein Sommernachmittag ist, dessen Ereignislosigkeit man genießt –, wie gegen den Hintergrund des ungetrübten Himmels, in dessen Leere hinein, weiße Blütenblätter von den nebenan stehenden Kirsch- und Apfelbäumen ganz langsam von einem Windhauch mitgenommen werden. Der Garten wird zum Tempel innerweltlicher Transzendenz, darin ein Zustand der Ewigkeit im Augenblick faßlich wird. Der wunderlich eintretende Andere Zustand ist vertraut aus der Erinnerung an die kindliche Selbstvergessenheit im Spiel, in der die Ebene der Zeitlichkeit zu Gunsten eines Standpunkts der Ewigkeit gewechselt wird. Mathias Bergmann Essenz zu »Pathos AZ - Opferolympiaden« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=853 2019-06-29T01:21:39+02:00 im Werk »Lustmarsch durchs Theoriegelände« Für Kinder sind langweilige Sonntagnachmittage im Sommer der Inbegriff von Ewigkeit. Für adulte Westeuropäer bietet ein Museumsbesuch eine ähnliche Erfahrung. Mathias Bergmann Essenz zu »Vom Sinn der Sinnlichkeit« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=852 2019-06-29T01:00:51+02:00 im Werk »Kindertagesstätten« Dem oppositionellen Begriffspaar von Theoretisiererei und sinnlicher Direktheit werden gleichsinnig die Begriffspaare Kalkül und Spontaneität oder Vermitteltheit und Unmittelbarkeit sowie Verstand und Gefühl zugeordnet. An dieser Konstellation, die gegenwärtig wieder einmal als eine deutsche Spezialität sichtbar wird, sind alle in sie eingehenden Annahmen falsch, ja widersprechen den damit verbundenen Absichten diametral. Zum einen war das zitierte Überhandnehmen der Theorie eben nur eine Theoretisiererei und keine Theoriebildung, so daß von einem Primat der Theorie in den vergangenen Jahren gar keine Rede sein kann. Zudem sind Kreativität und Unmittelbarkeit auch für die Anstrengung des Begriffs, also auch die Theoriebildung höchst schätzenswerte, ja notwendige Tugenden. Umgekehrt ist die unmittelbare, spontane, kreative Sinnlichkeit selber nur theoretische Leerformel, da Sinnlichkeit schlieißlich als höchst komplexe Fähigkeit erst erworben werden muß, eine keineswegs natürliche Eigenschaft darstellt und also das ganze Gegenteil von spontan ist. Im übrigen haben alle Aussagen über sinnliche Wahrnehmung, wenn sie gelungen, also gut begründbar sind, wiederum den Status von theoretischen Aussagen. Ohne Begriffsbildung und Begründung ließe sich wenig über das spontane, gefühlsmäßige, sinnliche Wahrnehmen ausmachen. Die Opposition von theoretisch und praktisch ist genauso gegenstandslos wie die Opposition von theoretisch und sinnlich. Was mit dieser Opposition sinnvollerweise ausgedrückt werden kann, aber nicht ausgedrückt wird, ist die Tatsache, daß es ausgesprochene und unausgesprochene Begründungen gibt. So würde man das Handeln und Verhalten aus praktischer Erfahrung eben nicht als ein theorieloses, also begründungsloses verstehen können, sondern nur annehmen dürfen, daß die in der Erfahrung in Anspruch genommenen Begründungen nicht ständig zum ausdrücklichen Thema erhoben werden, wie das für alles theoretische Arbeiten gilt. Die Unterscheidung kann also nicht in der Entgegensetzung von Theorie und Praxis, von Vermitteltheit und Unvermitteltheit, von Verstandesoperation und sinnlicher Wahrnehmung liegen, sondern nur in der Unterscheidung zwischen explizitem und implizitem Gebrauch von Begründungen. Mathias Bergmann Essenz zu »Zivilisierung durch Musealisierung « angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=851 2019-06-29T00:51:51+02:00 im Werk »Amtsblatt« Die Herausforderung besteht darin, die Einheit in der Unterschiedenheit zu sehen und die Unterschiedlichkeit in der Einheit: Dies ist ein altes strukturalistisches Grundgesetz. Je besser wir unterscheiden können, desto bedeutender ist das Unterschiedene, aber nur im Bezug auf das jeweils andere. Denn ich kann nicht behaupten, dieses Eine sei die Erfüllung, die Suprematie, oder sogar der Führungsanspruch oder was auch immer in einem bestimmten Handwerk in einem bestimmten Artefakt. Diese Einmaligkeit existiert nur in Bezug auf das Andere. Das heißt, das europäische Konzept der Einheit durch Unterscheidung beruht gerade darauf, dass man den jüdischen, türkischen, christlichen, muslimischen, buddhistischen oder sonstigen Positionen gerade zugesteht, je unterschiedlich zu sein, aber nur mit Bezug auf die Anderen, die ja erst die Kriterien der Unterscheidung ermöglichen. Sodass es eine Einheit in der Verschiedenheit gibt und eine Verschiedenheit in der Einheit. Denn würde man die Verschiedenheit aufheben, hätte keine dieser Äußerungen eine Bedeutung, weil Bedeutung nur durch Unterscheidung entsteht. Mathias Bergmann Essenz zu »Manuskript« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=850 2019-06-29T00:40:53+02:00 im Werk »“Die Poesie der schwarzen Löcher. Wissenschaftliche Rede im Strudel der ästhetischen Differenz von Denkbarkeit, Vorstellbarkeit und Darstellbarkeit.”« Statt dessen verhält es sich im Ästhetischen so, dass man bei der Bestimmung eines Phänomens die prinzipiell unaufhebbare Differenz zwischen cognitio, imaginatio und repraesentation zu spezifizieren hat. Dazu sind die erzielten Zuordnungen zu unterscheiden, die zwischen Denkbarkeit, cognitio, und Darstellbarkeit vermitteln. Verhalten sie sich in einer Entsprechung zueinander, dann hat man sich mit einer Tautologie beschäftigt. Kombiniert man die Vorstellbarkeit mit der Darstellbarkeit, dann hat man ein Phantasma vor sich. Verbindet man die Kognition, also das Denkbare, mit dem Vorstellbaren, jedoch ohne repraesentatio, dann verbleibt das Ganze in der Sphäre des Intra und kann überhaupt nicht kommuniziert werden und entzieht sich jedweder Erörterung. Diese Überlegungen bedeuten für die Sphäre der Kommunikation, von einer fortlaufenden Verschiebung der Relationen von cognitio, imaginatio und repraesentatio auszugehen, so dass ein Zwang zur Differenzbildung entsteht, den Kleist so treffend als „die allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Reden“ bezeichnet hat. Die ästhetische Differenz erzwingt sich als Wandlung der cognitio oder der imaginatio bei repraesentatio. Mathias Bergmann Essenz zu »Die Forderung nach Schönheit ist revolutionär, weil sie das Häßliche gleichermaßen zu würdigen zwingt.« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=849 2019-06-29T00:28:09+02:00 im Werk »Was aber ist das Schöne?« Der kreative Akt von Künstler und Publikum basiert auf der Indifferenz gegenüber Akzeptanz und Ablehnung, weil derartige Urteile verhindern, daß der Umgang mit Unbestimmtheit produktiv werden kann. Nach Duchamp nannte man solche Unbestimmtheit "semantische Leere" oder "Referenzlosigkeit der Zeichen gegenüber definierten Bedeutungen", "Dekontextuierung" oder "Abkoppelung als Desensibilisierung" (wie in der Verhaltens-Therapie für Phobiker oder im "surrealistischen Akt", der analog zum Traumgeschehen die eingeschliffenen Verknüpfungen von Zeichen und Bedeutungen zu lösen beabsichtigt, um neue Verknüpfungen zu ermöglichen). Mathias Bergmann