Denkerei: Die schlechte Unendlichkeit

Ein Vortrag von Manfred Frank. Moderation: Raimar Zons

Hermann Naumann, zu Franz Kafka „Der Hungerkünstler“ | Radierung, 1956
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Manfred Frank, bester Kenner der Positionen deutscher Romantiker, verteidigt die schlechte Unendlichkeit gegen die gute. Die potentielle und aktuelle Unendlichkeit werden seit der Antike unterschieden. Aber als ‚schlechte‘ hat erst Hegel die erstere beschimpft und damit besonders die Frühromantiker ins Visier genommen, denen er auch ein Verharren im Zustand des ‚unglücklichen Bewusstseins‘ und den Unernst der ‚Philironie‘ vorwarf. All das hängt in der Tat eng zusammen, und der Vortrag von Manfred Frank wird diesen Zusammenhang klären.

Der junge Vertreter der Gegenposition, Jacob Burda, wird gebeten, weit über den Generationsgraben in seine eigene Zukunft zu springen, denn eines können wir alle in vollständiger Gewissheit prognostizieren: Alter ist die Zukunft der Jungen und die schlechte Endlichkeit des Lebens ist die Zukunft der guten Unendlichkeit der Liebe.

Manfred Frank, 1945 in Wuppertal-Elberfeld geboren, war nach dem Studium des Philosophie und Germanistik in Berlin und Heidelberg (vor allem bei Gadamer, Henrich und Tugendhat) zunächst Assistent, dann Privatdozent im Fach Neuere deutsche Literaturwissenschaft der Uni Düsseldorf. Nach einem Ruf an den Lehrstuhl für „philosophie moderne et contemporaine“ der Uni Genf (Nachfolge von Jeanne Hersch) – 1982-87 – wechselte er an den Lehrstuhl für theoretische Philosophie an der Uni Tübingen. Rufe nach Kalifornien und Jena lehnte er ab. Seit seiner Pensionierung (2010) ist er als „Ständiger Gastprofessor“ der Bielefelder Abteilung für Philosophie zugeordnet. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind im historischen Feld Kant und die auf ihn folgende Philosophie (vor allem Schelling und die Frühromantik) und im systematischen Bereich die Theorie des Bewusstseins, besonders des Selbstbewusstseins, einschließlich der Philosophy of Mind. Er hat viele Gastprofessuren, vor allem in den Staaten, wahrgenommen und bekam neben anderen Auszeichnungen drei Ehrendoktortitel verliehen.