Denkerei: Worauf dürfen wir hoffen?

Sprache mystischer Erfahrung als Sprache der Hoffnung zwischen Augustin und Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Ein Vortrag von Ulrike Eichler

Die Möglichkeit eines solchen Neuen und Anderen, ihr Wahrnehmbarwerden und zur Sprache Kommen ist eine Frage, die Kunst und Religion teilen. Ja, sie ist vielleicht die Frage, ohne die es Kunst ebenso wenig gibt wie Glauben. Keine Literatur, keine Politik und auch keine Philosophie oder Theologie ist glaubwürdig, ohne dass eine Erfahrung dieses Anderen in ihr erscheint.

Wie aber Sprache einer anderen Wirklichkeit in dieser Wirklichkeit – der einzigen Wirklichkeit, in der es Erfahrung gibt – finden, die etwas von der Erfahrung eines Anderen weiß oder auch nur ahnt? Wie also glaubhaft von einem Anderen sprechen – hier in dieser Welt? Von Transzendenz also in der Immanenz. Von einem Anderen, auf das wir hoffen dürfen.

Die Frage wird umso dringlicher, je unerbittlicher sich die Unheilszusammenhänge zuziehen, die die Welt als Ganze ebenso im Griff haben wie die Leben der Einzelnen.

Die evangelische Theologin Ulrike Eichler geht dieser Frage nach, indem sie die Dichterin Ingeborg Bachmann mit dem Theologen Augustin ins Gespräch bringt, um in diesem Dialog den Augenblick mystischer Erfahrung hervortreten zu lassen, der Anderes, der den Moment eines Transzendenten im Diesseits der Welt aufscheinen lässt.

Denn das Innerste mystischen Sprechens besteht eben in der Erfahrung einer anderen Möglichkeit mitten in der Wirklichkeit. Mystik – Theologie und Poesie zugleich – spricht von augenblickshaften Erfahrungen des Durchbruchs zur Wirklichkeit Gottes und zur kreatürlichen Wirklichkeit, ebenso wie von der unaufgebbaren Sehnsucht nach ihr. Diese Sehnsucht gilt dem Fließenden hingebungsvoller Kommunikation; ihr Schrecken dem Moment, in dem Identität umschlägt in Erstarrung, in Abgeschnittenheit von Anderen ebenso wie von der Hoffnung auf Anderes.

Der Vortrag von Ulrike Eichler sucht demgegenüber nach dem Moment aufatmenden zur Sprache Kommens im Werk Ingeborg Bachmanns wie dem Augustins und damit nach einer Öffnung hin zu einem kaum mehr erwartbaren Möglichen.