Formen und Funktionen.

Konstruktives von Michael Mattern (= Kataloge der Museen in Schleswig-Holstein 48)

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Jacobo de’ Barbari

Die Weltnische der Künstler erweiterte sich z.B. um 1500 zur Welt des Jacobo de’ Barbari, des Leonardo, des Albrecht Dürer usw.

Dem Jacobo gelang es, die Wahrnehmung der Lagune von Venedig aus der Perspektive des Auges Gottes oder der Vögel vorzustellen. Er machte diese Vorstellung bildwürdig und zeigte seinen Zeitgenossen, wie sich ihr venezianischer Lebensraum als Ganzes wahrnehmen ließ, obwohl diese Vorstellung real von niemandem zu tätigen war, denn niemand konnte sich leibhaftig so hoch über die Lagune erheben, daß er das venezianische Stadtgebiet als Ganzes hätte in den Blick nehmen können. Jacobo entdeckte die Bildwürdigkeit einer Weltaufsicht von oben und überführte sie mit seinem Stich in Wissen, das durch das Bild ermöglicht und nutzbar wurde. Damit reagierte er auf Anforderungen des Stadtstaates Venedig, Vorstellungen der weiß Gott weiten Welt zu entwickeln, in die die Serenissima ihre Handelsschiffe entsandte.
Warum die Vorstellungen bildwürdig werden mußten, z.B. als See-, Land- oder Weltkarten, ist klar: mit Hilfe des Bildwissens, also der Bildlesekunst, orientierten sie sich bei den Bewegungen durch die Welt.

Später Lebende vermochten aus den Zeugnissen für das, was die früheren Generationen für bildwürdig hielten, darauf zu schließen, auf welche Weltsichten sie ihre Lebensformen stützten.