Vortrag / Rede Gesellschaft des Glücks der Verfehlung

Inszenierung eines Gastmahles im Geiste von Philemon und Baucis mit Bazon Brock, Volker Demuth, Iso Maeder, Robert Pfaller.

Im Güterbahnhof, Tor 4, Zürich.

Termin
06.03.2008, 20:00 Uhr

Gründungsakte der Gesellschaft des Glücks der Verfehlung

Text

— Art. 1 —
Die GGV will bruit Secret sein.

— Art. 2 —
Die GGV versammelt Vertreter des Versuchs und des Rumors. Sie bildet eine heuristische Fachgruppe von Versuchern.

— Art. 3 —
Die GGV formiert durch ihre Mitglieder einen Anspruch in der theoretischen Praxis, das Problematische irregulär zu bestimmen.

— Art. 4 —
In diesem Sinn verzichtet die GGV auf das Interesse und anerkennt den Gegenstand wie ein ansonsten grundloses Vorkommnis im Gestus einer Versuchung.

— Art. 5 —
Dem kapitalen Spektakel der Limitationen und seiner zensorischen Ökonomik wird stattgegeben, jedoch keine Sprache mehr.

— Art. 6 —
Das Denken glückhafter verfehlung verhält sich als Abkömmling einer Verführung. Es findet mit dem Vorspiel statt, das in ihm sein Nachspiel besitzt, welches seinerseits den Vorfall in den Vorspielen liefert. Verführtes Denken agiert kybernetisch und ist insofern glückliches Denken.

— Art. 7 —
Die GGV neigt gemeinsam mit der westlichen Tradition seit Augustinus der Auffassung zu, jedes Glück sei ein Aufwiegen der fundamentalen Korruption lebender Wesen. Nur was sich als verfehltes, nicht vollkommenes Wesen korrumpiert weiss, strebt nach Glück. Die Korruption selbst darf sich dabei als Einziges nicht korrumpieren lassen.

— Art. 8 —
Die GGV will keine kritische Alternative darstellen. Reibungen entstehen weniger aufgrund äusserer Faktoren denn als Artikulation intensiver vorgänge. Es geht um die offene Produktion bildbegrifflicher Spiel- und Schwellenräume.

— Art. 9 —
Die GGV verwahrt sich gegen jegliche, und insbesondere privatheitlichen Formate von Identifiktion. Affirmation ist unabwendbar. Als akute Möglichkeit bleibt das Glück der Verfehlung.

Bazon Brock, Volker Demuth, Jso Maeder und Robert Pfaller
am 8. März 2008 in Zürich

Textverwandtschaften

1957 1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026

Jeder Streifen repräsentiert einen Textabschnitt in der Arbeitsbiografie. Je heller ein Streifen, desto verwandter ist der Text mit dem aktuellen Text. Der aktuelle Werk hat die Farbe Rot, der aktuelle Abschnitt ist orange markiert.

Grundlage der Textanalyse ist das Sprachmodell MiniLM-L12 / BGE-M3. Mit dessen Hilfe wird der aktuelle Textabschnitt mit allen anderen Textabschnitten verglichen (insgesamt knapp 3 Millionen Kombinationen) und ein Ähnlichkeitskennwert berechnet.

Die Ähnlichkeit basiert nicht auf Wortgleichheit, sondern auf semantischen Eigenschaften. Beispiele:

  • Das Bild zeigt eine Landschaft ⟷ Zu sehen ist eine Naturszene
  • Die Arbeit entstand 1972 ⟷ Das Werk wurde in den frühen 70ern geschaffen
  • Kritik an der Gesellschaft ⟷ Gesellschaftliche Auseinandersetzung
  • Er lehnte das Angebot ab ⟷ Er wies den Vorschlag zurück

Als ähnlich erkannt werden Synonyme, Umschreibungen und Paraphrasen sowie gleiche Bedeutungen – auch in unterschiedlichen Sprachen – erkannt. Beispiel: Kunst und Politik ⟷ art and politics.

Aktuell werden die Textverwandtschaften auf Basis des gesamten Textkorpus statisch vorberechnet und bei Änderungen einzelner Inhalte aktualisiert. In die Berechnung werden nur Textabschnitte einbezogen, die mehr als 100 Wörter Inhalt haben. Leere oder kurze Abschnitte sind daher in dieser Textgenetik nicht enthalten.

Die Verwandtschafts-Abstufungen wurden in 6 Gruppen zusammengefasst: 0 = keine Verwandtschaft, 20, 40, 60, 80, 100 = sehr nah am aktuellen Text.

Die Fundstellen in dieser Verwandtschafts-Textgenetik liefern also möglicherweise völlig andere, eventuell unerwartete Lese-Anregungen, während die zugeordneten Verweise (unter siehe auch) redaktionell ausgewählt wurden.